The Shining


Die Frage war: Deine gruseligste Reiseerfahrung?
Normalerweise buche ich bei Reisen nur etwas für die ersten zwei Nächte und schaue mich von dort aus um.
Irgendwann hatte ich mir in den Kopf gesetzt, die schöne Vulkaninsel La Réunion zu besuchen, über Weihnachten und Neujahr. Die Insel liegt vor der Westafrikanischen Küste, in der Nähe von Madagaskar, gehört aber zu Frankreich. Seltsamerweise hatte man in Deutschen Reisebüros noch nie etwas davon gehört, aber es gelang mir, einen Flug über das französische Fremdenverkehrsbüro zu buchen. Die Dame vom Fremdenverkehrsbüro hat mich dann überredet, Hotels vorzubuchen. OK, ich wollte ja verschiedene Teile der Insel sehen.
Das erste Hotel war nur für eine Nacht, das zweite, sehr schön, in den Bergen, das dritte sollte eigentlich am Meer liegen. Tat es auch, also theoretisch, Luftlinie. In der Praxis lag es sehr hoch am Berg. Meerblick zwar, aber Meer trotzdem weit weg. Zu weit, um zu Fuß hinunter zu gehen. Ich kam also Weihnachten da an, der Speisesaal war proppenvoll und ich ziemlich hungrig. Nein, da hätte ich ein Weihnachtsdinner reservieren müssen. Ob es denn wohl ein Restaurant in der Nähe gebe? Nein, hier nicht. Schließlich ließ man sich breit schlagen und gab mir doch etwas zu essen.
Am nächsten Morgen war das Hotel wie ausgestorben. Man gab mir Frühstück, Hausschlüssel und verschwand dann wieder. Ich war allein in dem Riesenkasten am Berghang. Ich bin dann den Hang herunter gewandert, mit dem Bus in den nächsten größeren Ort gefahren und habe mir ein Auto gemietet. Trotz der tropischen Kulisse hat mich das einsame, große Hotel am Berghang mit den Serpentinen dort hinauf an einen Film erinnert: The Shining. Jack Nicholson kam aber nicht mit der Axt um die Ecke.
Das nächste Hotel, am Piton de la Fournaise war dann wieder normal bewohnt.

Habt ihr auch eine gruselige Reisegeschichte?

7 Kommentare

  1. Urlaub in Kanada mit Vater Cousin und Onkeln. Wir machten die übliche Rundreise von Edmonton aus in die Rocky Mpuntains, Banff National Park Columbia Icefields usw. Anschließend große Angeltour an einen See nördlich von Edmonton. Wir standen mit unserem PickUp, den mein Onkel in ein Campingmobil umgebaut hatte und dem 10-m-Wohnwagen auf einem Campingplatz. 100 m entfernt gab es ein kleines Geschäft mit Tankstelle. Der Tag war fischreich aber unglaublich schwül. Ich war mit dem Boot alleine auf dem See unterwegs und angelte auf Hechte. Mit einem für mitteleuropäische Verhältnisse rasendem Tempo zog eine schwarze Wolkenwand heran, der Wind ging fast sofort auf Sturmstärke, und der arme Thomas (damals 16 oder 16 Jahre alt) wurde, da er nur Ruder hatte, fast in die kanadische WIldnis verpustet. Wäre da nicht dieses kleine Motoboot gewesen, das langsam, unverdrossen, aber merkwürdigerweise ohne Besatzung auf mich zu hielt. Ich wendete mein Boot und ruderte ihm nach Kräften entgegen. Als das Bötchen neben mir längsseits ging, sah ich den kleinen Jungen darin, vielleicht 8 oder 10 Jahre alt. Er rief mir irgendwas entgegen, das ihm aber vom Sturm von den Lippen gerissen und vom Rauschen der Wellen verschluckt wurde. Die Leine in seinen Händen war aber auch ohne Ton verständlich. Ich schnappte sie mir und machte sie an meinem Boot fest. Dann zog mich der Lütte im Schritttempo gegen die Wellen ans Ufer. Keine Sekunde zu früh, denn da brach ein Gewitter los wie ich es bis dato noch nie erlebt hatte. Ich bedankte mich, er aber grinste nur vergnügt, verabschiedete sich und verschwand.
    Gruselig?
    Während der Ereignisse nicht, da hat man einfach zu viel zu tun. Aber in der Nachschau immer wieder, wenn man überlegt, was alles hätte passieren können. Und: Den Jungen habe ich nie wieder gesehen. Auf dem Campingplatz kannte ihn niemand, und auch sein Boot war unauffindbar.

    Das Gewitter tobte weiter, es hatte sich am See „fest gefressen“ und verharrte auf der Stelle. Solange wir beieinander beim Abendessen saßen, war alles ok, aber beim Zubettgehen war mir als würde das Gewitter an Intensität zu nehmen. Mein Vater und mein kanadischer Onkel Rudolf übernachteten im Campingwagen. Leider war dessen Dach (Onkel Rudolf hatte den Aufbau à la Schwarzwaldhaus gebaut – ja mit Blumenkasten vor den Fenstern!) eine Winzigkeit undicht, sodass mein Vater die Nacht mit einem Becher auf der Brust verbringen musste, in den das Wasser tropfte. Ich schlief mit Tante, Cousin und meinem Patenonkel im Wohnwagen.

    Mitten in der Nacht wachte ich auf, weil der Wohnwagen wackelte. Sturmböen rissen an ihm, und ich dachte, der Wagen kippt jeden Moment um. Meine Mitschläfer hingegen schnorchelten weiterhin friedlich vor sich hin. Darußen zuckten Blitze, und die fehlende Pause zwischen Blitzen und Donnern sagten mir, dass das Gewitter genau über uns war. Plötzlich gab es einen wirklich gewaltigen Knall, dem absolute Dunkelheit folgte, die nur durch ein rötliches Flackern erhellt wurde. Als ich mich wieder unter der Decke vervor wagte und aus dem Fenster lugte, sah ich, dass der Blitz in die Straßenlaterne, direkt an der Tankstelle eingeschlagen hatte. Der Holzmast der Laterne brannte lichterloh (er war mit Teer imprägniert). Und weil er so nahe an der Tanke stand, fürchtete ich, dass die jeden Moment in die Luft gehen könnte.
    Für mich war diese Nacht das nackte Grauen, aber gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl, in einem Hollywood-Film zu sein. Irgendwann bin ich dann eingeschlafen, und am Morgen schien wieder die Sonne. Nur der abgebrannte Lampenmast zeugte noch von den Naturgewalten der vergangenen Nacht (und der Matsch vor der Tür). Von meinen Mitreisenden hatte übrigens kaum jemand etwas von dem Gewitter mit bekommen.

  2. Ich kenne eigentlich mehr Schreckmomente. Ich war mal in Burma in einem der vielen Tempel von Pagan. Schwarz wie die Nacht war es dort, nur mit Taschenlampe und barfuß war ich drin, weil man dieses Tempel eben nur barfuß betreten darf. Während ich da an den Wänden und Decken herumleuchtete, trat ich auf eine lebende auf dem Boden liegende Fledermaus. Ich habe mich schon sehr erschrocken, und das werde ich nie vergessen.

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