Dejá vu


Ich muss mal langsam eine Kategorie Umsonst und drinnen erstellen.

Nachdem ich Samstag schon im japanischen Kulturinstitut ein preisgekröntes Anime  „Ein Sommer mit Coo“ gesehen habe, führte mich gestern der Weg ins Filmforum NRW. Dort gab es „All That Jazz“ von Bob Fosse aus dem Jahr 1979. Das Paradebeispiel für guten Schnitt wurde präsentiert vom Editor Michael Hudecek.
Das Filmforum befindet sich Museum Ludwig, und als ich die Treppe hochging fiel mir ein, dass ich als Studentin ab und zu dort Filme geschaut habe. Auch All that Jazz kannte ich noch aus meiner Ausbildung, hatte ihn aber komplett verdrängt.
Der Schnitt ist wirklich phantastisch, der Oscar für Schnitt war verdient. Zum Ende hin ist der Film dennoch etwas lang und operettenhaft.
Nach dem Film konnten die Zuschauer noch Fragen an  Michael Hudecek stellen. Und einer aus dem Publikum fing an, sich darüber auszulassen, warum ihm der Film früher nicht gefallen hat, Vergleiche zu anderen Regisseuren zu ziehen, kam vom Hölzchen aufs Stöckchen, bis einer aus dem Publikum rief: „Geh doch mal ein Bier trinken!“ Die Kölsche Lösung. 🙂
Beide Veranstaltungen waren kostenlos, beide anspruchsvoll, beide schlecht besucht.
Und da kommt bei mir die Frage nach der kulturellen Teilhabe auf.
„Kulturelle Teilhabe“ wird ja unter anderem von den Befürwortern des bedingungslosen Grundeinkommens gefordert. Ich versuche in diesem Blog von Anfang an, auf kulturelle Veranstaltungen hinzuweisen, die gut sind, aber nichts kosten. Und von denen gibt es, wenn man genau hinschaut, erstaunlich viele. Ich hatte in der Zeit in der ich nur über ein Sparbudget verfügte, nie über einen Mangel an kultureller Teilhabe zu klagen.
Was bedeutet eigentlich kulturelle Teilhabe? Was nichts kostet ist auch nichts wert? Bedeutet kulturelle Teilhabe das Premiere-Abo oder der abendliche Kneipenbesuch?
Was meint Ihr dazu?

6 Kommentare

  1. Vielleicht hat kulturelle Teilhabe für einige auch eher etwas mit Zeit als mit Geld zu tun? Wobei Zeit und Geld wohl auch im Zusammenhang stehen können.

      • Ich meine, warum wird denn die überschüssige Zeit nicht sinnvoll genutzt? Dein Ausflug nach Schleswig weist ja auch in die Richtung „umsonst und draußen“ Skulpturen fotografieren. Ok. da wäre es vielleicht am Fahrgeld gescheitert, oder daran, dass ein echter Hartzer sich nicht unerlaubt aus der Stadt entfernen darf. Aber im Prinzip ist so etwas überall möglich, wenn man denn will.

  2. Es muss den Menschen interessieren, egal ob umsonst oder für €€. Karten für eine Oper, oder Karten für das Kino oder eine Kunstausstellung würden mich selbst geschenkt nicht interessieren, weil ich einfach kein großes Interesse dafür habe, aber für naturkundliche und historische Museen schon eher. Obwohl ich mir die Eintrittskarten ins Phaeno oder Paleo leisten kann, werde ich die Aktion für NatGeographic Abbonenten nutzen, wo ich eine Person kostenfrei mitnehmen kann. Sicher muss es mehr Angebote zur Teilhabe geben, aber man kann nicht erwarten, das die Menschen die für solche Angebote in Frage kämen alle gut finden und nutzen.

    • Vielleicht sind meine Interessen auch einfach sehr breit gestreut, und ich probiere gerne Sachen aus, die ich noch nicht kenne. Ich habe mal eine persönliche Challenge angefangen, öfter mal was zu machen, mindestens ein Mal im Monat, das ich noch nie gemacht habe. Und sei es, den Nachbarort zu besuchen in dem ich noch nie angehalten habe. so lange ich etwas nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, ob ich es mag oder nicht. Ebenso, wie ich bei einem ungelesenen Buch nicht beurteilen kann, ob ich es mag oder nicht. Unter Anime hatte ich mir immer so Billigproduktionen wie Heidi vorgestellt, wie sie als Serien im Fernsehen liefen. Das war aber ganz anders.

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