Das Schweigen der Amseln


Stunde der Gartenvögel: Ich setze mich zurecht mit Zettel und Stift und alle Vögel verdrücken sich für exakt eine Stunde. Außer den Kohlmeisen, die weiter füttern. Das kenne ich ja schon.
Dieses Mal saß ich aber wegen des schönen Wetters draußen und habe auch die gezählt, die ich nur gehört habe. Ich hoffe das ist legitim. Jedenfalls habe ich die überlistet, die sich versteckt haben , aber die Klappe nicht halten konnten. Mönchsgrasmücke, Buchfink und Grünfink, ihr seid enttarnt.
Die Heckenbraunelle blieb versteckt und hielt den Schnabel, also konnte sie nicht gezählt werden. Kaum war ich wieder im Haus, saß sie auf dem Kabel.
Ja, das Kabel, auf dem Strippe, der Amselhahn von morgens bis Abends vor sich hin flötete. Später Esche, alias Strippe II , das Goldkehlchen unter den Amseln.
Und jetzt? Schweigen.
Es ist nicht so, dass ich hier keine Amseln hätte. Es gibt eine große, schöne langbeinige Amselfrau, die überhaupt nicht scheu direkt vor meinen Füßen herum pickt. Ihr folgt ein kleines scheues Hähnchen.
Im Vorgarten brütet ein Paar, seit ich den etwas ausgelichtet habe.
Im März haben sich zwei Amselhähne tagelang gejagt und geprügelt, gerade sitzt der kleine Kerl auf dem Kabel.
Aber sie schweigen. Höchstens mal eine oder zwei halbherzige Phrasen am Abend und das war’s. Zu wenig, als dass ich sie am Gesang auseinander halten könnte. Und ich habe keine Ahnung, woran es liegt. Schonen sie die Stimme, wegen der Trockenheit? Haben sie es nicht nötig, weil die Reviere vergrößert wurden? Oder wollen sie den Habicht nicht auf sich aufmerksam machen, der neulich eine der Ringeltauben schlug?
Manchmal würde ich Vögel gerne mal was fragen können.