Lockdown 2, Tag 25


Wetter: Morgens neblig, später aufklarend, ungemütlich

Morgens: Aus dem Stadtanzeiger:

  1. Ich kenne den nicht!
  2. sollte es mich interessieren, ob und wie ein mir fremder Mann Weihnachten feiert?
  3. Ich feiere überhaupt nicht Weihnachten
  4. Ich weiß noch nicht, was ich dann esse.
  5. Huhn ist alle. Es gibt noch Rind, Lamm oder Wildschwein
  6. Wenn ich dazu Bock habe gibt es aber vielleicht Gemüsedal oder Tk-Pizza oder Kartoffelauflauf.
    Essen gehen ist ja gestrichen.
  7. Interessiert das wen?

Außerdem geht der Lockdown weiter, außer Weihnachten, da ist Lockdown-Pause an denen alle Gelegenheit haben, mit der Familie im ungelüfteten Raum sich der Völlerei hinzugeben und sich anzustecken. Kinder unter 14 zählen nicht.
Böllern zu Silvester ist erlaubt. Böllern ist demnach wichtiger als Kulturveranstaltungen. Idioten mit abgesprengten Gliedmaßen treffen in Krankenhäusern auf Pandemie-Opfer. Wird bestimmt spannend.

Mittags: Schmorkohl mit Reis

Nachmittags: Sport. Ich habe den Hof vom Laube befreit und das Laub an anderen Stellen verteilt. Tatsächlich könnte ich da unten mehr Laub gebrauchen, bzw. es liegt an den falschen Stellen.

7 Kommentare

  1. Ich kenne den auch nicht. Und außerdem haben sich meine Vorfahren nicht 2 Mio. Jahre an die Spitze der Nahrungskette gekämpft, nur, damit ich meinem Essen jetzt das Essen wegesse. Aber heute gibt es Salat mit gerösteten Sonneblumenkernen und Tomaten. 🙂

    • Als Beilage oder wirst Du davon satt? Tatsächlich habe ich das Problem, dass ich vegetatrisch/vegan, ständig hungrig bin und friere.

  2. Interessiert wirklich niemanden. Ich stehe kurz dafür, den Stadtanzünder abzubestellen. Manches hat ja nur noch Bildzeitungsniveau. Wie du an Tag 10 schon erwähntest, wird den Kindern da ja auch immer wieder eingeredet, die hätten es schwer.

    Ja, sie müssen sich minimal einschränken. Das Sporttraining fällt aus für sie und die Musikstunden gibt es online. Na und? Dann wird eben draußen gespielt und Sport gemacht, um fit zu bleiben!

    Das alles würden sie auch gut verkraften, wenn da nicht ihre Eltern wären, die ihnen jetzt einreden, sie würden durch die Maßnahmen (wohlgemerkt: die Maßnahmen, nicht: das Virus) ihrer Kindheit beraubt. Nein, diese wohlbehüteten Kinder, die gemeinsam mit ihrer ganzen Familie in warmen Wohnungen leben, zur Schule gehen, genug zu essen und jederzeitigen Zugang zum WLAN haben, haben keine schwere Kindheit! Schon gar nicht eine verlorene Kindheit, wie inzwischen manchmal gesagt wird. Sie dürfen sich ein paar Monate mal nicht jeden zweiten Tag mit Himpel und Pimpel im Jackelino zu überdrehten Geburtstagspartys treffen.

    Meine Mutter, Jahrgang 1931, hatte eine verlorene Kindheit mit all ihren grausigen Details, die sie bis heute bis in ihre Träume verfolgen!

    • Was ich wirklich ärgerlich finde, sind Lehrerinnen, die sich seit Anfang des 2. Soft-Lockdowns öffentlich darüber ausbreiten, dass die Schulen besser geschlossen wären. Die sich beklagen über Kopfschmerzen unter der Maske und dass sie nicht genug trinken. Die sich beklagen über Frontalunterricht und Lüften, denen ich aber irgendwie auch nicht zutraue, dass sie Online-Unterricht gescheit hinbekämen.

    • Deine sind zu dritt, sie haben auch im schärfsten Lockdown immer jemanden zum spielen. Deine Drei besuchen eine Privatschule, haben Zugang zum Internet, und Lehrerinnen, die nach gewissen Startschwierigkeiten das mit dem Online-Unterricht einigermaßen hinbekommen. Deine Drei leben nicht in einem bildungsfernen Haushalt, sondern bekommen auch ohne Schule genug Anregungen. Ich kenne ein kleines Mädchen, das hat drei Monate kein anderes Kind gesehen.
      Ich sah auf unserem Spielplatz eine Mutter mit ihrer Tochter wippen, einen Vater sein Kind schaukeln und zwei kleine Jungs, mit Abstand zueinander an der Rutsche. Als ein dritter Junge dazu kam, wurden sie schnell auseinander sortiert.
      Die soziale Vereinzelung von Kindern in der Zeit, in der Sozialverhalten erlernt wird, kann man nicht mit einer Kriegskindheit vergleichen.
      Was die grausigen Details angeht: Jugendämter beklagten im ersten Lockdown, dass ihnen ihre Schützlinge entzogen waren. Erst als Schulen und Kitas wieder geöffnet waren, tauchten Kinder mit Spuren von Misshandlungen auf.

      • Ja, in dieser Hinsicht hast du Recht. Das ist für mich auch der wichtigste Grund, die Schulen und Kitas geöffnet zu halten.

        Verblüffendes Detail: gerade die Privatschuleltern klagen am lautesten von allen Eltern, die ich klagen höre.

        Mir tun die mit ihrer Mutter wippende Tochter und der von seinem Vater geschaukelte Kind auch etwas leid, weil sich ihre Eltern nun noch viel länger an die Regeln halten müssen, als es ihr Verhalten rechtfertigt, weil sich andere gar nicht an die Regeln halten.

      • Ich kenne ja außer Dir und der Paddeltruppe keine Privatschuleltern.
        Ich kenne sonst so Aikido-Eltern, zum Teil in Doppelfunktion als Lehrerin. Die haben aber auch schon gehobene Bildung.
        Außerdem bekomme ich Elternklagen aus Leserzuschriften mit. Da gehe ich davon aus, dass es keine Privatschuleltern sind.
        Die Klagen hängen ab vom Wohnort und vom Bildungsgrad. Leute, die selbst nicht in der Lage sind, das Internet zu nutzen, können überhaupt nicht klagen.
        Wer sich nicht beklagt sind die Kinder, die ich kenne. Von einem Mädchen weiß ich aber, dass sie jeden Tag gefragt hat, wann die Kita wieder aufmacht. Die kleine Schwester wollte am geschlossenen Spielplatz schaukeln, die Große 5jährige: „Nein, wir haben Corona!“ Soll mir keiner erzählen, dass das nichts macht mit den Kindern.

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