Zuhause ist?


Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit war ich in Norddeutschland bei Freunden. Und da, irgendwo im Zug zwischen Flensburg und Süderbrarup stellte sich ein Gefühl von nach Hause kommen ein, das ich von mir nicht kenne. Schon als Kind fehlte mir jedes Gefühl von Heimweh oder Vorfreude auf zu Hause. Ich komme halt wieder an. Fernweh hingegen, Entdeckerfreude in jeder Form kenne ich sehr gut.

Dort in Fjonkas schönem Garten, bei Speis und Trank, haben wir viele gute Gespräche geführt, darüber, wie wir leben und wie wir irgendwann leben möchten. Ich werde ja früher oder später schon wegen der Arthrosen was kleines, flaches brauchen zum wohnen, und das bisschen Heimat hier wird mir scheibchenweise genommen durch Bauprojekte, Wasserskianlage, Gewerbegebiet. Dafür habe ich hier eine nahezu traumhafte Infrastruktur im Vergleich zu denen, die wirklich alles mit dem Auto erledigen müssen, weil so was wie ÖPNV noch nicht erfunden bzw. lahm gelegt wurde. (Gruß an Bahn und KVB, die gerade halb Köln lahmlegen).
Klar ist: längerfristig brauchen wir alle etwas kleineres mit gutem ÖPNV-Anschluss. Doch woher nehmen und nicht stehlen? Soviel zu dem Dauergenöle, dass ältere Leute den Wohnraum für junge Familien „besetzen“.

Bei flackerndem Feuerschein kam dann auch die erste Sturmwarnung und brachte mich auf den Boden der Tatsachen. Klimatisch taugt mir das Rheinland nämlich besser als der Norden. mit zwei Stunden mehr Tageslicht im kürzeren Winter. Statt Sturm kam aber nur Regen. Wir saßen noch lange unterm Zeltdach und beobachteten Igel beim Liebesspiel. Es dauert ewig, bis die endlich zu Potte kommen.

Am nächsten Morgen wurde ich dann freundlicherweise mitgenommen bis Hamburg, wo ich die Hamburger Freundin besuchte. Die hat vor zwei Jahren schon sich eine kleinere Wohnung gemietet. Mit schönem Ausblick und guter Infrastruktur, aber nicht behindertengerecht, ohne Aufzug mit der typisch norddeutschen Mini-Küche ausgestattet. Das kann also auch nicht die Endstation sein.

Bei einem Ausflug nach Glückstadt erwischte uns dann doch noch das Unwetter mit Sturm und Hagelschlag. Und als ich dann hier wieder ankam, war die Wasserski-Anlage eröffnet, der Parkplatz nebenan ist vom „Ausweich-Parkplatz“ zum „Parkplatz Eingang Badestrand“ mutiert und staubt, weil die vorgeschriebene Begrünung noch überhaupt nicht gewachsen ist und vermutlich auch nicht wachsen wird, wenn Autos drüber fahren..

6 Kommentare

  1. Ohja, das ist nicht so leicht mit dem Zuhausesein!
    Ich habe es hier oben gefunden – trotz Sch***wind, üblem ÖPNV-Mangel, Intensivlandwirtschaft und mancher Haken mehr – bloß habe ich nach einigem Hinundherüberlegen (hatte mich ja einige Jahre damit befaßt) feststellen müssen, daß es die eierlegende Wollmilchwohnstatt (für mich) nicht gibt ….
    Dir viel Erfolg beim weitersuchen

  2. Übrigens gibts im Netz eine Wohnungstauschbörse, die, so hörte ich, vor allem daran krankt, daß die allermeisten dort Angemeldeten eine GRÖSSERE Wohnung möchten. Es wurde aber keine genaue Adresse gesagt und auch nicht, ob die auch für Besitzende möglich ist.

    • Ja, dieses Größer! Gröößer! NOCH GRÖSSER! wird uns in die Ausrottung treiben. gilt ja nicht nur für Wohnungen sondern auch für Autos. Hier wurden Großgaragen gebaut, für Karren die nicht mehr in normale Garagen passen und den überflüssigen Krempel anderer Leute, der nicht mehr in die Wohnung passt. Deswegen ist es jetzt in meinem Wohnzimmer früher dunkel. Moderne Einfamilienhäuser sind größer als solche aus den 60ern, bloß dass in den 60ern darin noch 6- 10 Personen gewohnt haben und jetzt maximal 4.

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