Demophobie: Angst vor Menschenansammlungen.
Aus einem anfänglichen Unwohlsein aufgrund bauplanbedingter Nachteile im Innenraum eines Konzerts, einer Karnevalsschlägerei, Neujahrsböllern in Altonaer Menschenmassen, 11.11. am Zülpicher Platz, hat sich das so ergeben: Ich meide Menschenmassen, wo es irgendwie geht. Wenn Fußballfans die Bahn stürmen steige ich aus.
Aber in Köln war eine Demo gegen Rechts angesagt: Wegen Platzmangel vom Alter Markt auf die Deutzer Werft verschoben. Da musste ich wohl mal aufschlagen. (gruselschüttel)

Prokrastination: Das regelmäßige und kontraproduktive Aufschieben unliebsamer aber notwendiger Arbeiten.
Aber vorher hat mir das Leben noch einen kreativen Schub beschert. Den musste ich erstmal abarbeiten, bevor ich irgendetwas anderes angehen konnte. Danach noch überlegt, ob und wie ich den Meat Loaf als „Plakat“ mitnehmen kann – Nee, dazu ist er zu filigran. Eben den Schlüssel suchen … Wie kann ein normaler Mensch drei Schlüsselbunde so in der Wohnung verbuddeln, dass keiner davon mehr auffindbar ist? Ha! Gefunden! Gleich wieder verlegt, nochmal suchen, schnell zur Bahn … Die kam erstmal nicht und fuhr dann nur bis zum Deutzer Bahnhof, also weiter zu Fuß zur Werft.

Demonstration: Versammlung, auf der eine Gruppe von Menschen ihre Meinung öffentlich äußert.
Am Bahnhof kamen mir schon Menschenmengen entgegen. War die Demo schon zu Ende? Nein, war sie nicht. Von den ursprünglich 70.000 waren noch genug übrig geblieben, manche, vor allem die mit Kindern gingen schon, andere kamen noch erst und es gab noch Reden und Vorträge. Und ich mittendr…
Nein natürlich nicht mittendrin, sondern meiner persönlichen Überlebensstrategie folgend irgendwo am Rand und irgendwo oben drauf, also auf einem Mäuerchen am Rand. Aber Hauptsache, ich habe mich überwunden und mich positioniert.
Köln hat also, wie viele andere Städte, Flagge gezeigt. Die bisher schweigende Mehrheit ist aufgewacht und aufgestanden und hat den Reichsbürgern, Identitären und der AFD gezeigt: „Ihr seid nicht das Volk, wir sind mehr!“
Wichtiger finde ich aber, dass diese schweigende Mehrheit sich bei der nächsten Wahl ebenso positioniert und ihr Wahlrecht wahrnimmt. Das gilt auch und vor allem für diejenigen, die nicht an Demonstrationen teilnehmen können. Bei einer Wahlbeteiligung um die 40% ist diese Demokratie und damit das Demonstrationsrecht ernsthaft gefährdet. Briefwahlzettel ausfüllen geht immer, auch wenn Du unter Demophobie leidest oder Glasknochen hast, oder andere gute Gründe, dich nicht in die Menge zu wagen.
Toll, dass Du dabei warst! Ich war auch da!
https://chaos.social/@marc_michalsky/111794543321733593
Dachte ich mir.
Ich war auch dort und habe mich gefreut, dass Du mich gegen Ende der Demo gefunden hast!
Ja, auch wenn das etwas de-moralisierend wirkt. Wir sind etwa 83 Millionen Einwohner in der Bundesrepublik Deutschland, davon sind circa 11 Millionen Kinder und Jugendliche. Selbst wenn man sagt von den restlichen circa 70 Millionen sind vielleicht 10 Million nicht wahlberechtigt, bleiben immer noch etwa 60 Millionen Menschen. Die letzten Meldungen sagen dass etwa 1 Million Menschen am letzten Wochenende auf der Straße waren. Ich selber war tatsächlich nicht draußen weil ich eine lange geplanten Termin hatte. Aber nichts desto trotz sind 50-60.000.000 bewusst nicht auf die Straße gegangen.
Nicht falsch verstehen ich finde die Demonstration wichtig, richtig und auch das Ergebnis wirklich Mega. Aber das war noch nicht die schweigende Masse auf der Straße. Ein Großteil dieser schweigende Masse ist nicht rausgegangen.
Ich weiß nicht, wie Du da rechnest. Allein in Köln waren 70.000 Menschen unterwegs von einer Million Einwohnern. Gleichzeitig fanden in anderen Städten ähnlich große Demonstrationen statt. Mich selbst hat das viel Überwindung gekostet, dort hin zu gehen (Demophobie) und ich kann mir gut vorstellen, dass es anderen auch so oder so ähnlich geht. (Coronaphobie) Du selbst gibst zu, dass dir der Termin nicht gepasst hat,weil Du schon was anderes vorhast. Entscheidend ist am Ende, dass die schweigende Mehrheit wieder zur Wahl geht. Vielleicht liegt ja der letzte Absatz meines Blogs unter dem Werbeblock.
Gleichzeitig findet im Forum eine Diskussion statt, bei der darauf gedrungen wird für ein Treffen konkret zuzusagen, obwohl noch überhaupt nicht klar ist, ob man wegen des Bahnstreiks dort ankommt. Und wenn dann kurzfristig eine Demo gegen Nazis angesetzt wäre? Wäre dann das Bc-Treffen wichtiger?
Mich hätte es keine Überwindung gekostet zu dieser Demonstration zu gehen aber es gab etwas, das schon lange geplant war mit anderen Menschen die mir auch wichtig sind. Das ist kein Vergleich zu einem Bookcrossing Meetup. Das hätte ich dafür problemlos ausfallen lassen.
Du bist ja auch ein kleines Bisschen größer als ich. Zur nächsten Demo nehme ich meinen Wanderstab und einen Tritthocker mit. Ja das auch: Für ne Demo ließe ich wohl auch ein Bc-Treffen ausfallen. Trotz Demophobie.
Die Zahl, 1 Million Teilnehmer bundesweit über das Wochenende verteilt, stammt von den Veranstaltern und der Polizei. Die anderen Zahlen stammen aus einer Veröffentlichung des statistischen Bundesamts von 2022.
Auf ntv war vorhin von 1,5 Mio Menschen die Rede.
Zahlen aus 2022 kann man wohl jetzt getrost vergessen.
Naja die Einwohnerzahl und die Anzahl der Kinder unter 16 Jahre wird sich wohl in den zwei Jahren nicht dramatisch verändert haben
Da verstehe ich jetzt den Zusammenhang nicht. Du bist ja auch bewusst nicht auf die Straße gegangen. Und ich finde 7% der Einwohner einer Großstadt ziemlich viele.
Köln hat etwas über 1 Million Einwohner. Da sind 70.000 etwa 7 %
Und das sind sehr viele im Vergleich zu anderen Demos. Normale Demos passen auf den Heumarkt oder Neumarkt, auch FFF. Lediglich die Fahrrad-Sternfahrt voriges Jahr endete auf der Deutzer Werft. Zum Vergleich: Das waren etwa 1500 Menschen mit Fahrrädern und Kinderanhängern.
In meinem alten Leben hätte ich Sonntags mit hoher Wahrscheinlichkeit gearbeitet.
Ich habe Verständnis für jeden, der sich nicht ins Gewühl traut oder an dem Tag – wie Du übrigens auch – etwas vorhat, was ihr wichtiger erscheint oder arbeiten muss. BC-Treffen in Wuppertal hätte ich z.B. sausen lassen.
Entscheidend ist doch das Wahlverhalten an der Urne oder per Briefwahl.
[…] hat es schon vor zwei Wochen gemacht, doch nach Köln zur großen Kundgebung mit 70.000 Teilnehmern zu fahren, hätte mich […]