Seit Monaten pendele ich gefühlt zwischen meiner Wohnung und Arztterminen, von wenigen BC-Treffen mal abgesehen. Und dazwischen gießt es entweder in Strömen oder die KVB oder die Bahn streikt. Den Winter über habe ich immer mal wieder mit dem Komoot-Planungstool rumgespielt. Für mich ist das ein eigenes kreatives Spielzeug, unabhängig davon, was ich dann tatsächlich mal fahre oder wandere. Herausgekommen ist dabei das:

Die Tour basiert auf der Tour 1: „In den Rheinauen“ aus dem Buch „Wanderungen für die Seele Rhein, Aar, Erft“ von Ingrid Retterath. Doch weil Ingrid mit Kind und Kegel immer wieder zum Auto zurück muss und ich seit 2013 autofrei glücklich bin, habe ich aus der ursprünglichen Rundtour eine Streckentour gemacht und die Richtung umgedreht.
Ich springe also in Düsseldorf-Garath aus der S-Bahn und lande in einer belebten Fußgängerzone. Doch schon nach wenigen Metern blicke ich auf den Auwald.

Und schon erweist sich die alte Erkenntnis als richtig: Die Landkarte ist nicht die Landschaft. Ich hatte mit Matsch und Modder gerechnet, aber der Weg liegt ein ganzes Stück über dem Altrheinarm, so dass ich trockenen Fußes voran komme, mit Blick auf den Altrheinarm der Urdenbacher Kämpe.


Die Vögel und Frösche sind noch nicht besonders sangesfreudig. Bis auf ein paar schnatternde Gänse und eine paar krächzende Krähen. Auch die Vegetation lässt noch zu wünschen übrig.

Auf einem Baumstumpf hat jemand ein kleines Haus gebaut.

Der Weg beschreibt einen sanften Bogen rechts die Düsseldorfer Wohnbebauung und parkartige Einschübe mit Sitzbänken, links der Altrhein im Naturschutzgebiet. vor siebenhundert Jahren war hier noch das rechte Rheinufer. Erst bei einer Sturmflut, vermutlich im Jahr 1374, durchbrach der Rhein die Fluss-Schlinge und nahm die Abkürzung im Westen.



An abgestorbenen Bäumen wachsen irgendwelche Porlinge. Kann Zunderschwamm sein, ich enthalte mich der Stimme. Die größeren sind angeschnitten. Im Naturschutzgebiet! 😡 Sollen ja angeblich gesund sein.



Über eine kleine Brücke quere ich den Altrhein. Hier plätschert er lustig und müffelt ein wenig.

Die nächste Brücke ist eine Autostraße hier biege ich kurz ab in den Düsseldorfer Ortsteil Urdenbach um in dem von Ingrid empfohlenen Café Extratour einzukehren. Die Leitplanke an der Straße irritiert mich doch ein wenig.


Allmählich verändert sich die Landschaft. Der Weg weicht vom Altrhein ab in eine Senke. Einige der Wiesen stehen noch unter Wasser. die Bäume sind mit Misteln dicht behangen. Es wird matschiger, bis ich schließlich den Rhein erreiche.



Ab da geht es auf einem schmalen Trampelpfad rheinaufwärts. Es wird tatsächlich warm. Das erste mal im Jahr. Irgendwo bin ich blöd auf eine Wurzel getreten.



Es folgt noch ein zauberhafter Abschnitt mit geisterhaften Bäumen, teils abgestorben, teils hohl, teils auf Wurzelstelzen stehend. So lange noch ein Rest Rinde mit Verbindung zur Wurzel dran ist, treibt eine Weide immer wieder aus.

Als ich an der Fähre ankomme fährt die gerade ab. Ich mache also ein Päuschen und pelle mich aus dem Pullover. Das erste Mal im Jahr.

Durch das Rheintor betrete ich Zons. Hier steht jetzt auch so ein Tastmodell mit dessen Hilfe Blinde die Stadt begreifen können.

Diese Bronzemodelle gibt es jetzt immer öfter. Sie sind sowohl mit Braille-Schrift, als auch mit Buchstaben beschriftet.


An der Stadtmauer entlang, gehe ich zum Falknereimuseum. Das hat leider nur Sonntags geöffnet. 2014 habe ich in einer Nische der Stadtmauer ein Buch freigelassen. Jetzt finde ich in der ersten Nische einen Bücherschrank, in der zweiten eine Bücherkiste, in der nächsten Straße eine Kiste mit Kinderbüchern zum Verkauf.


Ich laufe noch ein wenig durch Zons, halte mich aber nicht mehr an den ursprünglichen Plan. Zons ist ja auch recht übersichtlich. Am Schweinebrunnen verlasse ich die Altstadt.

Der Schweinebrunnen erinnert an die „Zonser Schweinefehde“ aus dem Jahr 1575/1577. Soldaten des damaligen Kölner Erzbischof Salentin von Isenburg hatten die Zonser Schweineherde, bestehend aus 50 Schweinen gestohlen.

ÖPNV:
rechtsrheinisch: S6 bis Garath,
linksrheinisch: Bus 875 WE2, NE2DOR, bis/ab Bahnhof Dormagen S11, RE6, RE7
Das war eine schöne Wanderung, danke fürs Mitnehmen. 😊
Tolle Tour, Tolle Bilder und mit dem Wetter hattest Du wirklich Glück. Wegen einer fetten Erkältung war ich die Letzten Tage weitestgehend ans Haus „gefesselt“. Seit es wieder besser geht, war ich jeden Tag am Tierheim auf Hunderunde, so hatte ich dann doch etwas vom Wetter.
Du hattest ja fantastisches Wetter bei der Tour. Wie schön, dass sie dir gefallen hat. Ich mag diese bizarren Bäume auch sehr gerne.