Im Moor


O schaurig ist’s über’s Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche…

Das endlos lange Gedicht: Der Knabe im Moor von Annette von Droste Hülshoff musste ich als Kind auswendig lernen. Kein Problem. Auswendig lernen konnte ich gut. Allerdings hatte ich nicht die Spur einer Ahnung, was ein Moor ist. Moore gibt es hier nicht. Hier gab es Getreidefelder, Wahner Heide, Königsforst (lange vor meiner Zeit entwässert) und auf der anderen Rheinseite Tagebau, Rekultivierungsgebiete, Ville… alles Mögliche, aber kein Moor. Das Hohe Venn lag damals schon außerhalb meiner Erreichbarkeit. Also lag meine Vorstellung von Moor, durch Annette geprägt, ungefähr bei den Sümpfen der Traurigkeit, aber die unendliche Geschichte kam viel später und immer noch kein Moor. Immerhin hatte ich da schon über Moore gelesen, in Bildbänden geblättert und wohl auch eine Doku gesehen. Richtige Moore tauchten erst in meinem Leben auf, als ich nach Norddeutschland zog, meistens allerdings als öde Torfabbauflächen oder trocken gelegt, nur noch dem Namen nach Moor, oder als kleiner Rest von Himmelmoor bis Duvenstedter Brook. Schaurig? Ist höchstens, dass es nur noch so wenige gibt.

Wildes Moor bei Schwabstedt

Wegen der Steilvorlagen durch von Annette von Droste Hülshoff und Michael Ende sind Moore gegenüber anderen Naturschutzgebieten klar im Vorteil: Die Leute bleiben tatsächlich auf den Wegen. Hier der Moorlehrpfad durch das wilde Moor bei Schwabstedt, das ich bei einem kurzen Ausflug mit dem Biotom und Stiene besuchen konnte.

Am Eingang zum wilden Moor grüßt der Gagelstrauch. Wegen der Entwässerung von Feuchtgebieten ist sein Bestand stark rückgängig. Er gilt als gefährdet und steht auf der Roten Liste Deutschlands.

Den stark gefährdeten Sonnentau haben wir dann auch gefunden: rundblättrigen und langblättrigen, sogar in größeren Mengen. Nur den rundblättrigen Sonnentau habe ich fotografieren können, vom Bohlenweg aus, mit sehr langem Arm. Lasst Euch durch Abbildungen, egal ob im Internet oder im Buch nicht täuschen: Die fleischfressenden Pflanzen sind winzig und man muss schon sehr genau hinsehen, um sie zu entdecken.

Netterweise haben wir auch noch die Orchideenblüte erwischt. Geflecktes Knabenkraut bzw. gefleckte Fingerwurz leuchtet vereinzelt aus dem Grün, über die Fläche verteilt aber doch erstaunlich viele. So viel zu deutschen Bezeichungen. Auf schlau heißt das Dactylorhiza maculata subsp. maculata.  Bei uns bislang selten gemeldete oder sensible Art! sagt Naturgucker.de. Toll! Eigentlich keine Kunst, denn die meisten Naturgucker melden Vögel. Dennoch: in diesem Fall steht die Orchidee auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands.

Was wäre ein Ausflug mit dem Biotom, aka Pilzetom, aka Fischtom, wenn er nicht mindestens einen Pilz fände. In diesem Fall Sumpfgraublatt. Auf bestimmungsrelevante Fotos: einen pflücken und umdrehen habe ich verzichtet vom Bohlenweg aus, mit sehr langem Arm. Trotzdem gab es auch für den ein fettes Ausrufezeichen von Naturgucker.de für die bislang selten gemeldete oder sensible Art!

Wollgras im Wind

Windig war es! Von vielen Versuchen, das Wollgras zu fotografieren, ist nur einer einigermaßen scharf. Der biotom hatte zwar eine richtige Kamera mit, aber ihm ging es auch nicht besser.

Die Sumpf-Schwertlilie leuchtete am Wegrand. Nicht gefährdet aber trotzdem schön. Schon außerhalb des Schutzgebiets stand unser Abendessen: Holunderblüten, die wir in Pfannekuchenteig gebacken haben. Lecker! Hündchen Stiene fand das ungerecht.

Mini-„Wanderung

PS: Hier auf der Heideterrasse sollen einige Flächen wiedervernässt werden. Daraus könnte dann in ein paar Jahrzehnten tatsächlich auch ein Moor werden.

5 Kommentare

  1. Stimmt alles, ich bin dabei gewesen! 😉 Und es war eine tolle Exkursion! Auch, weil man in Begleitung die ganzen Funde mit anderen Augen sieht. Gerne mehr: Nächstes Jahr Orchideenjagd im Katinger Watt?!
    Grüßlis
    Bio-, Myko-, Fischtom 😉

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