
Alle Jahre wieder gibt es ein Bookcrosser-Picknick in Aachen. Und fast jedes Jahr fahre ich mit dem Rad da hin. Einmal über Düren, in dem kleinen Zeitfenster zwischen den Lockdowns über die Wasserburgen-Route, dann über Jülich, voriges Jahr war ich etwas unpässlich, musste mit der Bahn fahren und am nächsten Tag zur OP.
Aber jetzt wieder! Dieses Mal habe ich den bikerouter.de mal machen lassen und mir geschworen, nicht dran rumzufummeln. 1. Vorschlag: Über Düren, 1. Alternative über Jülich, aber irgendwie anders. Jülich mag ich lieber.
Weil die 9 rappelvoll ist, steige ich um in die 1 fahre ein Stück durch den Grüngürtel, und steige dann am Adenauer-Weiher quer in die geplante Tour ein.

Der Bikerouter führt über ruhige Nebenstraßen durch Junkerdorf und über teils bekannte Wege auf’s Land. Ich erkenne drei Bäume wieder, unter denen ich mal im Regen gestanden habe, und auch an diesem Pausenplatz habe ich wohl schon einmal halt gemacht.
Aber dann: Kurz vor Königsdorf macht der bikerouter die Biege Richtung Süden. Spinnt der? Nein. Komoot hatte versucht, mich über die B55 zu führen. Mein dadurch notwendiges Rumgefummel hatte auf eine autofreie Strecke geführt, die östlich von Königsdorf genau zwischen Autobahn und Bundesstraße verlief, und die war LAUT!
Bikerouter mit meinen Einstellungen führt autofrei Richtung Norden an Königsdorf vorbei, durch den Königsdorfer Forst und um die Glessener Höhe herum.

Bei der Einfahrt in den Königsdorfer Forst muss ich mal kurz gucken, ob das eine oder das andere Rechts gemeint ist.
„Sie wissen aber, dass Sie da nicht mehr durchkommen?!“ Oha! Ein Erklärbär.
„Nein,“Ich weiß nix“
Der Erklärbär erklärt mir genau, wie ich stattdessen auf die Glessener Höhe komme und lässt sich auch durch meinen Einwand, dass ich nicht rauf, sondern drumherum will. Nämlich nach Jülich. Er hat eine Wanderkarte! Ich habe Komoot! Planung von Bikerouter.
„Ich fahre jetzt so, wie geplant!“
„Hoffentlich hat der Mann, der das abgefahren ist, das auch richtig gemacht!“
„Das hat kein MANN abgefahren! FAUCH!“
Warum merken die eigentlich nicht, wenn ich kurz davor bin, sie zu töten?
Übrigens wären beide Rechtse gegangen. Die Wege laufen fast parallel zueinander. Schön ruhig und im Windschatten der Abraumhalde geht es flott voran, als mir ein Schild den Weg zum Hallerhof weist.

Wohl wissend, dass es zwischen Bergheim und Jülich keine Einkehrmöglichkeiten gibt, nehme ich den freundlichen Hinweis gerne an. Es wimmelt von i-Dötzchen. Heutzutage wird die Einschulung groß mit der ganzen Verwandschaft gefeiert. Es gab aber noch einen Platz und Pfannekuchen für mich.

Hier hat jedes kleine Dorf einen eigenen Bücherschrank. RWE tut alles, um sich bei den Bürgern beliebt zu machen, wohl wissend, dass sie deren Heimatdörfer abgebaggert hat.


Dann bin ich plötzlich an der Erft. Die hatte ich zahmer in Erinnerung, war aber seit dem Hochwasser nicht mehr hier. Dann macht die Route einen scharfen Knick und geht dann breit und schnurgerade Richtung Tagebau.

Ja, die Energieversorger kümmern sich um ihre Anwohner. Die ehemalige Versorgungstrasse wurde zur Radschnellstraße. Als ob man so über die Zerstörung hinwegsehen könnte, die sie angerichtet haben. Kurz bevor die breite, gerade Trasse langweilig wird, komme ich auf den bereits bekannten Weg an der Sophienhöhe entlang im Gegenwind Richtung Jülich.
An Jülich wäre ich fast vorbei gefahren, den während Komoot konsequent auf die Hauptstraße im Ort ansteuert, führt bikerouter mit der gleichen Konsequenz drumherum. Jedenfalls mit meinen Einstellungen: Gravel „Quaelnix“ wenig Steigung, wenig Verkehr. Insgesamt war es nicht weiter als meine frühere Tour.



Der nächste Tag bricht an. Ganz Jülich ist eine Baustelle, der Markt wird gerade renoviert. Ich habe mich für den bereits bekannten Bahntrassenweg Richtung Aachen entschieden, und das ist auch gut so.
Warum? Darum!

Ge:gen:wind: Der größte Feind der Radlerin. Viel schlimmer als jede Steigung. Hier kommt er in heftigen Böen, die keine Chance lassen, einen runden Tritt zu finden, ebenso nervtötend wie kraftraubend.
Wo die Trasse an den Seiten bewachsen ist, ist es einigermaßen erträglich, auf dem freien Feld ziemlich heftig. Aber endlich erreiche ich doch Aachen.

Ich finde es schon ziemlich unverschämt, so etwas als Radwegverbindung auszuschildern. Nächstes Mal also wieder den kleinen aber feinen Umweg an der Wurm lang.





