Seit Donnerstag ist es in Köln fies kalt und windig, geregnet hat es aber noch immer nicht. Freitag Nachmittag klarte es dann auf und ich habe noch spontan eine Führung der Schutzgemeinschaft deutscher Wald durch den Stadtwald in Lindental mitgemacht.

Los ging es am Eingang Dürener Straße. Hier, auf dem Gelände des ehemaligen Hofgutes Kitschburg, liegt der Ursprung des Stadtwaldes. Die Stadt Köln kaufte das Gelände des ehemaligen Hofgutes und die anliegenden Felder um hier einen Stadtpark anzulegen. Die Bevölkerung der damals schon dicht besiedelten Stadt sollte hier Erholung und frische Luft erfahren. Der Gartenbaudirektor Adolf Kowallek kam ursprünglich aus Nürnberg und hat auch noch andere Parks und Gärten in Köln geplant, unter anderem den Volksgarten, den Nordfriedhof, den Stadtgarten und den Römerpark. Es ging also weniger um Flora und Fauna, sondern um die Geschichte des Stadtwaldes, die anhand von vielen historischen Karten und Plänen erläutert wurde.

Der Kahnweiher entstand aus einem kleinen Sumpf, in dem einst der Frechener Bach versickerte. Heute speist Grundwasser aus einem Pumwerk alle Gewässer im Stadtwald – der Bach war zu stark verschmutzt. Jetzt verschwindet er irgendwo in der Kanalisation. Am Kahnweiher lag früher eine große Gastronomie mit Seeterrasse. Seit den 70er Jahren steht dort eine Bausünde: das ehemalige Esso-Hotel. Auch der neue Name „Leonardo Royal“ macht es auch nicht besser.

Während der Weltwirtschaftskrise entstanden der Kanal und der Kahnweiher als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Sie wurden mit Spaten und Schaufel von Arbeitslosen angelegt.


Der Wald
Bis hier war die Anlage ein Park, hier beginnt der Waldteil. Gewünscht ist ein Mischwald aus verschiedenen Baumarten, in den nicht allzu sehr eingegriffen wird und der sich selbständig verjüngt. Aus dem Park sollte die Bevölkerung in den Wald eintauchen.

Forschen Schrittes geht es hinter der Bahnlinie über die große Wiese weiter. Auch die Übergänge vom Wald zur Wiese sind gestaltet, nicht natürlich gewachsen. Baumgruppen lenken den Blick.
Hier vom einstigen Biergarten „Waldschenke“ auf die große Wiese. Um 1900 vergnügten sich die Kölner dort bei Bier und Marschmusik. Alle drei Gastronomiebetriebe im Stadtwald wurden im Krieg zerstört. Heute steht der Landschaftspark unter Denkmalschutz und es ist unwahrscheinlich, dass wieder ein Biergarten entsteht. Zumal die Leute ja am liebsten mit dem Auto bis vor die Tür fahren.
Hier geht es auch schon merklich nach oben: von der rheinischen Niederterrasse auf die Mittelterrasse.

Die geführte Tour endete dann auch am höchsten Punkt des Lindentaler Stadtwaldes, dem Aussichtspunkt 13 Linden. Von hier konnten die Spaziergänger die Aussicht auf Köln und die Waldschenke genießen. Während die Gruppe ebenso forschen Schrittes wieder dem Startpunkt der tour zustrebte, entschied ich mich für einen flacheren Weg und einen anderen Ausgang.


Alter Ahorn
Nachdem die Wehranlagen des 19. Jahrhunderts weitgehend geschleift waren, wurde der Stadtwald noch über die innere Kanalstraße hinweg in den äußeren Grüngürtel erweitert. Im älteren Teil befindet sich auch noch der Tierpark Lindental. Momentan bin ich etwas fußlahm, (kleiner Zeh trifft Türkante), aber ich möchte den Park bald noch einmal in Ruhe besuchen und den alten Baumbestand würdigen.


Platanenallee und Trompetenbaum
Den Abschluss meiner Tour bildeten Hültzplatz und Hültzstraße. Auf dem Platz wachsen Trompetenbäume, entlang der Straße eine Platanenallee.

Durch den Lindenthaler Stadtwald ging morgens mein Weg von der Herderstr. 94 am Kahnweiher entlang zur Rheinischen Akademie.
Und natürlich habe ich mich gelegentlich mit den Karpfen im Kahnweiher angelegt. Aber nicht weitersagen, das war (ist) ja nicht erlaubt! 😉
Interessanterweise hat es niemanden gestört, wenn man sich da mit so einem 20-kg-„U-Boot“ gebattled hat. Heutzutage würde man wahrscheinlich sofort von einem militanten PETA-Honk ein Messer in den Hals bekommen (ist ja gerade modern!).
Da diese Teiche und Weiher alle künstlich angelegt sind, müssen sie ab und zu entschlammt werden – zuletzt im Volksgarten. Also Wasser raus, Fische raus, Fische in anderes Gewässer… In welches andere Gewässer? Sind da nicht auch schon Fische drin? Könnte wetten, der eine oder andere Karpfen landet blau im Topf.
schöne Tour