Tag des offenen Denkmals: Samstag


Wie jedes Jahr erscheint das Programm erst so spät, dass die Anmeldefrist für die anmeldepflichtigen Denkmäler bereits abgelaufen ist. Schon im vergangenen Jahr waren sowohl die Seite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als auch die App total unübersichtlich und zeigten nur einen Bruchteil des Angebots.

Aber: Ausgerechnet die sonst so schnarchnasige Stadt Köln hat es diesmal geschafft, eine leicht zu bedienende und übersichtliche Karte zu erstellen. Darin sind die Angebote für Samstag, Sonntag und beide Tage farblich unterschiedlich gekennzeichnet und lassen sich nach „anmeldepflichtig“ oder „nicht anmeldepflichtig“ filtern. So finde ich für Samstag einen Rundgang und eine Veranstaltung im Innenbereich.

Waschtörchen der mittelalterlichen Stadtmauer.

Ich bin viel zu früh am Treffpunkt Thurnmarkt. Statt zuerst das Törchen zu fotografieren, mache ich meinen Themenrelease an der Medienhochschule und hole mir an der Senfmühle jede Menge Senf mit Wurst – ich Depp.

Die mittelalterliche Stadtmauer

Der Rundgang „Von der Zollpforte bis zum Malakoffturm“ folgt der mittelalterlichen Stadtmauer am Rhein bis zum preußischen Malakoffturm. Von der Zollpforte ist allerdings nichts mehr zu sehen. Sie wurde – wie der größte Teil der Stadtmauer – im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert abgerissen. Das Törchen, vermutlich das Waschtor, wurde beim Bau der Rheinuferstraße entdeckt und auf den Thurnplatz versetzt. Herr Hess erläutert anhand von Fotos und Kartenmaterial den Verlauf und die Entwicklung der Stadtmauer.

Anhand des Törchens wird der Aufbau der Stadtbefestigung erklärt. Sie besteht – wie die gesamte mittelalterliche Mauer – aus harten, schwarzen Basaltsteinen, hellem Tuff als Füllmaterial und ebenfalls hartem, aber hellem Trachyt, zum Beispiel im Torbogen. Die Ziegel haben vermutlich irgendeinen Schaden ausgebessert, wann genau, ist jedoch unklar. Die Pflanze ist das Mauer-Glaskraut Parietaria judaica. Sie wurde bei der Renovierung an der Mauer belassen, weil sie dort schon im Mittelalter wuchs.

Aus einer größeren Gruppe heraus zu fotografieren, fällt mir schwer – nicht nur bei Stadtführungen, sondern auch bei unseren Felderführungen. Immer steht jemand im Weg. Deshalb bin ich hier einmal zurückgeblieben, mit dem Risiko, etwas zu verpassen.

Die beiden Häuser aus dem 17. Jahrhundert stehen direkt auf der alten Stadtmauer. Damit die Franzosen nicht durch die Fenster einsteigen konnten, galten bestimmte Bauauflagen: Zunächst durften überhaupt keine Fenster zum Rhein hin gebaut werden. Später mussten sie bis oben hin vergittert sein, und die Keller durften keinen Zugang von innen zum Haus haben.

St. Maria Lyskirchen

Auch St. Maria Lyskirchen ist auf der mittelalterlichen Mauer gebaut. Hier sieht man noch Reste davon am Sockel.

Die Tour endet am preußischen Malakoffturm. Er ist in seiner Form dem Bayenturm nachempfunden, wurde aber hauptsächlich aus Ziegeln errichtet. Nur bei den Verzierungen und an besonders schussfesten Stellen kamen Trachyt und Basalt zum Einsatz. Errichtet wurde er auf dem „Werthchen“, einer Rheininsel. Mit dem Ausbau des Rheinhafens gelangte er schließlich an das Rheinufer. Zeitgleich mit dem Abriss der mittelalterlichen Stadtmauer entstand in Rekordzeit der preußische Befestigungsring.

Nach der Führung mit ihren langen Stehzeiten bin ich froh, mich endlich bewegen zu können, und gehe in Richtung Literaturhaus. Doch als ich frohen Mutes in die Straße Großer Griechenmarkt einbiege, steht da plötzlich eine Mauer. Dahinter: nichts – das Literaturhaus liegt auf der anderen Seite.

Diese entsetzliche Wunde in der Stadt

Doch natürlich ist da etwas: die Nord-Süd-Fahrt – mal wieder. Diese Schneise, die sich mit bis zu vier Spuren durch die Stadt frisst und lebendige Veedel und Straßen zerteilt. Eine Spur wurde hier dem Radverkehr „geopfert“. Aber wer will dort schon radfahren? Über eine schmale Treppe geht es nach unten, über eine Ampel und auf der anderen Seite wieder hinauf. Ich finde: Da gehört ein Deckel drauf!

Literaturhaus

Das Literaturhaus aus dem 17. Jahrhundert ist innen wie außen sehenswert – in dieser Gegend hätte ich es allerdings nicht erwartet. Am Tag des offenen Denkmals wurde dort die Aktion „1000 Bäume, 1000 Stühle“ gefeiert. Die Angestellten und Freunde des Literaturhauses hatten es geschafft, die Bedingungen zu erfüllen: Unter anderem mussten sich zehn Personen zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, von denen mindestens zwei einen Altersunterschied von 40 Jahren aufweisen. Nun haben sie Bäume und Stühle bekommen, um ihren Platz zu verschönern.Nach der Projektvorstellung habe ich noch eine Lesung besucht und bin anschließend in die Tapas-Bar meines Vertrauens gegangen.👉 Zur Tour auf Komoot