Sonntag bei strahlendem Sonnenschein bin ich schon vor 11.00 an der Eigelsteintorburg.
Eine Torburg unterscheidet sich von einem einfachen Tor dadurch, dass sie sowohl nach außen als auch nach innen verteidigt werden kann.


Der Eigelstein ist eine ehemalige Römerstraße, die schnurgerade und ebenerdig von der Colonia Claudia Ara Agrippinensis nach Novaesium verläuft – also von Köln in Richtung Neuss.
Der Kölsche Boor, also der Bauer, zog bei der Stadterweiterung als vierter Stand in die Stadt ein und ist bis heute im Karneval präsent.

Weiter geht es zur nächsten Kneipe: Die Brauerei Em Kölsche Boor ist eine der letzten im Eigelsteinviertel. Früher gab es hier eine enorme Dichte an Kneipen und Brauereien. Da die meisten Wohnungen unbeheizt waren, traf man sich in der Kneipe, wo ein warmes Feuer brannte. Das Leben spielte sich dort ab.


Herr Paproth ist hier am Eigelstein aufgewachsen und weiß viel vom Leben im Viertel zu erzählen: Die Häuser waren sehr schmal, reichten aber nach hinten unglaublich weit. Im Hinterhof befand sich dann der Abtritt.
Das schmalste Haus Kölns, nur 2,56 Meter breit und 30 Meter lang, erhielt sogar einen Architekturpreis. Durch die Glastür kann man von vorn bis hinten in voller Länge hindurchschauen.


A propos Widerstand bei der Wahl hat in Köln eine 1. Grüne, 2. Frau, mit 3. türkischem Namen die OB-Wahl gewonnen. Sie muss allerdings noch in die Stichwahl gegen den unterlegenen SPD-Kandidaten. Doch selbst wenn er diese gewinnt, kann er mit seiner einen Stimme im Stadtrat nicht viel ausrichten.
Jetzt bin ich doch ein bisschen stolz, Kölnerin zu sein. Denn es zeigt, dass sich die Kölner nicht so leicht von Schmutzkampagnen jeck machen lassen.


Im Stavenhof
Im Stavenhof kann man noch die etwas einfacheren Arbeiterhäuser betrachten. Hier befand sich früher das Rotlichtviertel. Hier gingen zahlreiche Prostituierte ihren Geschäften nach, bis 1972 die gesamte Stadt zum Sperrbezirk erklärt wurde.



Die Weidengasse wurde wegen der überwiegend türkischen, sehr gut integrierten Bevölkerung „Klein-Istanbul“ genannt. 1974 eröffnete hier ein anatolischer Gastarbeiter den ersten türkischen Gemüseladen Kölns.
Der Rundgang endet an der Straße „Unter Krahnenbäumen“. Ein lebendiges Veedel – mit eigenen Gesetzen – musste hier der Nord-Süd-Fahrt weichen, wurde regelrecht geschleift. Außer dem Straßennamen ist davon nichts übrig geblieben. Nur ein Bildband von Chargesheimer und das Nachwort von Heinrich Böll zeugt davon, sowie einige Kölsche leeder von Willi Ostermann, Bap und den Bläck Fööß.
Nach der Führung muss ich erst einmal etwas essen und mache mich auf die Suche nach einem Inder.


Alles Banane?
Dabei stoße ich auf das große Mural „Die Rückeroberung der Stadt durch die Künstler“. Am besten sieht man es, wenn man mit dem Zug in Richtung Hauptbahnhof einfährt. Es ist von der Künstlergruppe Captain Borderline signiert und zeigt die Belagerung der Stadt Köln, bei der eine Banane – das Markenzeichen des Künstlers Thomas Baumgärtel – als Rammbock verwendet wird. Direkt daneben, in einem eher unscheinbaren Eckchen, findet sich auch eine Banane des „Bananensprayers“. Beide Kunstwerke gehören zusammen.
Nach der Begegnung mit Shir Khan, gehe ich weiter in Richtung Groß St. Martin. Hier will ich es tatsächlich eine „Führung op Kölsch“ wagen.
Aber ich habe noch viel Zeit.
Am Dom haben es mir die Wasserspeier angetan. Sehen sie nicht aus, als würden sie sich unterhalten und gegenseitig etwas zurufen?


Komischer Vogel auf der Domplatte.
Die Geschichte der Römerstraße erzählt mir hinterher Herr Heller op Kölsch. Sie wurde bei Bauarbeiten zur Errichtung der Domplatte und der darunter liegenden Tiefgarage entdeckt. „Nä – dat wör doch schad drum. Die Stroß künne mer doch nit fottschmieße.“ haben sich die Verantwortlichen wohl gedacht. Schnell wurde entschieden, ein etwa 33 Meter langes Teilstück der Straße ein paar Meter nach Süden zu versetzen, auf den kleinen freien Platz neben dem Museum. Sogleich ging man an die Arbeit, nummerierte die Steine mit Kreide, um diese auch exakt so wieder zusammensetzen zu können. Danach wurde erstmal Feierabend gemacht. In der Nacht hatte es geregnet. Das Ergebnis: Alle Nummern waren abgewaschen und niemand konnte mehr sagen, wie das Puzzle aus Hunderten von Steinen zusammengesetzt werden sollte. Da kam der kölsche Pragmatismus ins Spiel: „Dat is doch ejal. Wie su en römisch Stroß ussjesinn hat, kann doch hück keiner mieh saare.“ So wurde die Straße in der kölschen Variante wieder aufgebaut: Riesige Fugen, extrem uneben, nicht befahrbar und nur sehr eingeschränkt begehbar.
Doch jetzt zu Groß St. Martin:
Die romanische Klosterkirche wurde auf den Grundmauern eines römischen Kornspeichers errichtet und spiegelt bis heute dessen Maße wider. Daneben befand sich eine Pfarrkirche, die in der Franzosenzeit geschleift wurde.
Der Kornspeicher wiederum entstand auf einer aufgeschütteten Rheininsel. Noch früher befanden sich dort ein Sportplatz und ein Schwimmbecken, wahrscheinlich für Legionäre, die mit kaltem, ziemlich schmutzigem Wasser gefüllt waren. Während die reichen Römer täglich die Thermen besuchten, badeten die Legionäre im echt kölschen Abwasser.
Sportplatz und Schwimmbecken fielen, wie vieles aus der Römerzeit, der Bauwut zum Opfer: zugeschüttet, abgerissen, weggeschafft. So gehen die Kölner mit ihrem römischen Erbe um. Auch der Bau der Kirche verlief typisch kölsch: Er war geprägt von langer Bauzeit und Pfusch am Bau. Dauernd krachte einer der Türme ein. Bis heute ist die oberste Etage nicht begehbar – zu gefährlich.




Im Keller der Kirche gibt es noch einige römische Reste des Schwimmbeckens und die Fundamente des Kornspeichers zu sehen. Bei Hochwasser lässt man den Keller voll laufen, weil sonst die Wände von außen eingedrückt würden.
Mehr zu Groß St. Martin
https://www.komoot.com/de-de/tour/2576250526










Den Eigelstein kenne ich nur aus den Romanen „ die Begine Almut“
Sieht aber jetzt ganz anders aus.