Life Hack Kleingeld.


Neulich auf Lanzarote: Eine Touristin versucht einen spanisch sprechenden Busfahrer auf englisch zu überzeugen, dass er ihr einen 20er wechseln muss. Er darf den aber nicht annehmen und die Busfahrt dauert nur 1,50€. Er lässt sie nicht vor, sie geht nicht zurück, se redet auf englisch auf ihn ein, der Bus steht es bildet sich eine Schlange… Ich bin 2. in der Schlange, will auch in den Bus und schaue leicht genervt ins Portmonee. Finde zwei 10er, die ich ihr hinhalte. Geld gewechselt, der Fahrer sagt erleichtert „Gracias“ die Touristin sagt „Thank you very much“ 20€ werden gewechselt, so weit normal. Aber der Mann vor mir in der Schlange sagt auch „Gracias“ ebenso die hinter mir und einige Fahrgäste im Bus.
Jubel, stehende Ovationen, nein, so weit kam es denn doch nicht, aber die Stimmung ist urplötzlich gekippt von allgemein genervt zu freudiger Erleichterung.

Heute bei der Sparda-Bank: Ich stehe wieder in der Schlange, vor mir ein nicht so gut Deutsch sprechender Kunde, der 4,50 in bar überweisen will, eine Bankangestellte, die kein Kleingeld annehmen darf. Er müsse einen 5€ Schein in den Automaten einzahlen und dann kann er das überweisen. Hat er nicht. Nichts geht mehr. Ich krose einen 5er aus dem Portmonee, er gibt mir sein Klimpergeld, beide strahlen mich an. Sie hilft ihm noch beim einzahlen und überweisen und bedient mich anschließend sehr freundlich, obwohl ich vor zwei Jahren gekündigt habe und jetzt erst meinen Geschäftsanteil zurück haben möchte.
10€ in Münzen habe ich dann in der Bäckerei zurückgewechselt. Und die war auch ganz glücklich, dass sie keine Rolle Münzen bei der Bank holen musste.
Fazit: Das passende Kleingeld in der Tasche kann die Dinge beschleunigen und die Stimmung retten.

6 Kommentare

  1. Gut von Dir gelöst. Trotzdem eine Lachnummer, was sich da bei uns abspielt.
    Bei uns? Lanzarote ist nicht gerade bei uns.
    Was Busse angeht, so haben die hier auch eine Obergrenze für Barzahlung. Ist auch sinnvoll, denn wenn die ersten Beiden mit großen Scheinen zahlen ist das Wechselgeld schnell alle. Und wenn die Fahrer mehr Wechselgeld mit hätten wären sie wahrscheinlich gefährdeter für Überfälle.
    Die Bank hatte ich ja gewechselt, weil der Service gegen 0 ging bei steigenden gebühren. Die einzige Filiale mit Personal ist am Apellhofplatz, es gibt nur wenige Bankautomaten, an denen man gebührenfrei Geld ziehen kann. Da bin ich bei der ING besser aufgehoben.
    Warum der Typ 4,50 in bar überweisen wollte, hinterfrage ich mal lieber nicht. Eine Bank ohne Kasse geht eigentlich gar nicht. Aber ich weiß auch, dass bei den Sparkassen Geschäfte beim Geld wechseln oder einzahlen von Münzen Gebühren zahlen müssen. Und die zwei Einmachgläser voll Kleinmünzen von meiner Mutter konnte ich auch nur bei der Landesbank wechseln.
    Ich fand aber den Stimmungswechsel aufgrund meiner pragmatischen Lösung faszinierend. In Zukunft werde ich nicht mehr irgendeinen Schein aus dem Automaten ziehen, sondern auf die Stückelung achten.

  2. Viele Leute sind emotional am Anschlag. Eine Entwicklung, die ich sowohl bei mir als auch bei Anderen in den letzten Jahren beobachte. Ein verlässlicher Indikator hierfür war und ist der Individualverkehr. Das Tempo dieser Entwicklung hat in den letzten 2 Jahren mächtig an Fahrt aufgenommen: mehr Bullshitjobs, mehr Anordnungen deren Logik nicht mehr erkennbar ist, mehr Kassandrarufe, mehr Angst und Unsicherheit. Und aktuell: Soziale Isolation. Ein bisschen Zuwendung, ein bisschen Menschlichkeit und ein bisschen Verständnis bewirken, gerade in diesen Zeiten, wahre Wunder. Und Eines ist sicher: das „Retten“ der Stimmung zieht zumindest genau so große Kreise wie das Verderben.
    Ich werde in Zukunft auch mehr Kleingeld mitnehmen und Kreise ziehen.

      • Ja, „Random Act of Kindness“…schöner Vortrag. Diese Frau war nicht von dieser Welt; sie brannte an beiden Enden. Allein wie sie das Wort „WEINSTEIN“ quasi in Echtzeit optimiert hat, zeigt ihre Präsenz.
        Die meisten Menschen, die ihre Seminare kennengelernt haben, waren begeistert.
        Um die Jahrtausendwende kam der Film „Das Glücksprinzip“ heraus. Eine sehr amerikanische Interpretation von „Random Act of Kindness“.
        Think Big hat offensichtlich versagt – vielleicht sollten wir es mal wieder mit Kleingeld versuchen.

    • Das ist bei den meisten Banken so. Außer bei der Bundesbank. https://www.helpster.de/bei-der-bundesbank-kleingeld-eintauschen-so-geht-s_97822 Anfangs habe ich immer ein Händchen voll Kleingeld mit zum Einkaufen genommen und passend bezahlt. Gut sind auch Briefmarkenautomaten, wenn wir mal wieder Stückeln müssen. Und dann gibt es noch den Trick an jedem Automaten der auch Centstücke nimmt erstmal eine Hand voll Kleinmünzen einwerfen und dann eine große hinterher. Du bekommst größere Stückelung raus. Das war ein REWE mit Selbstscanner. Der hat auch schon ewig zu. Dann war ich bei der Bundesbank Filiale, um DM und Reichsmark! umzutauschen und habe einen Typen gesehen, der Ein großes Glas Kleinmünzen in einen Trichter gekippt hat. Danach habe ich den Rest der Sammlung auch dort hin gebracht.

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