Das Bulli-Experiment


Teeelefooon! Frau K aus HH:
„Ich miete einen Bulli und dann fahren wir damit rum und Du zeigst mir alle die schönen Orte, die Du in Deinem Blog beschrieben hast.“
– – „Äääääh…?“ –
(…Ich finde Autos doof, ich lebe seit 2013 autofrei, im schwärzesten Lockdown poppte gegenüber ein Bulli-Verleih auf und ich hatte tatsächlich Gelüste, mir so ein Teil zu schnappen und gen Süden zu ziehen, dann poppte er wieder zu und der Anfall war vorbei, aber ich wollte ja regelmäßig was machen, was ich noch nie gemacht habe…)
– „Okaaay“
Wir einigten uns darauf, uns in Xanten zu treffen, weil der Archäologische Römerpark ganz oben auf ihrer Prioritätenliste stand und es für mich dort auch noch ein paar interessante Dinge zu entdecken gab. Die Wahl des Stellplatzes überließ ich ihr.

VW-Bulli

Erste Erkenntnis: Mit dem Zug von Köln nach Xanten geht viel schneller als mit dem Bulli von Hamburg nach Xanten.

Warteschleife

Als Stellplatz diente der Kerstgenshof, ein Campingplatz der Luxusklasse. Sehr hübsch, aber etwas abgelegen. Es gibt dort zwei Dinge, die in unserem Kaff fehlen: Ein Bücherstübchen, und einen Jugendtreff.
Zweite Erkenntnis: So ein Bulli verbindet die Nachteile eines (zu großen) Autos, mit denen eines (zu großen) Zelts, einer (grundsätzlich zu kleinen) Hamburger Küche, eines schwankenden Schiffs und einem dieser Schiebepuzzles, bei denen am Ende immer ein Stück übrig bleibt, das nirgendwo reinpasst.
In der Praxis sieht das so aus: Schranktür A lässt sich nur öffnen, wenn Schranktür B geschlossen ist, hingegen die Schublade lässt sich nur öffnen wenn Schranktür A geschlossen und Schranktür B offen ist und der Tisch lässt sich nur ausklappen, wenn beide Schranktüren und die Schublade geschlossen sind, oder? Will man aufrecht stehen, muss das obere Bett hochgeklappt sein, will man losfahren, muss alles wieder eingeräumt und zusammengesteckt werden, und das obere Bett abgeräumt und wieder runter geklappt werden, damit das Dach eingefahren werden kann. Will man unten zusammen sitzen, muss das untere Bett zum Sofa hochgeklappt werden, will man unten schlafen, muss man das Sofa zum Bett umklappen, wozu aber erst Gegenstände im Heck anders verstaut werden müssen.
Wer oben schläft, bekommt jede noch so kleine Bewegung von unten als ruckeln oder schwanken geliefert. Das ist der Schiffsanteil.
Frische Klamotten sind nicht jederzeit zugänglich, weil dazu B entweder über A klettern muss, oder warten, bis A unter der Dusche steht. (Selbst bei meinem kleinen Mountain Dome kamen zwei Personen jederzeit an ihre Rucksäcke.)
Während A räumt, macht sich B am besten unsichtbar, verzieht sich aufs obere Bett, auf den Beifahrersitz, auf’s Klo, oder rollt schon mal das dreckige Kabel auf.
Der einzige erkennbare Vorteil: Die Nachbarn im Zelt sind im Regen abgesoffen, wir nicht. Der Feuchtigkeitseintrag durch nasse Klamotten und Kochen ist aber dem Zelt vergleichbar.
Letzten Endes haben wir den Stellplatz auf dem Kerstgenshof behalten und von dort aus Ausflüge gemacht, anstatt durch die Lande zu ziehen und immer neue Plätze zu suchen. Weil ich u.a. die Reisetage nicht mit eingeplant hatte, war das kürzer als erwartet.
Fazit: Es war eine Erfahrung, die ich so nicht wiederholen möchte, aber ich bin um eine Erfahrung reicher. Vier Wochen Radreise (mit oder ohne Zelt) schlauchen weniger als fünf Tage im Bulli.
Die Hymne

4 Kommentare

  1. „Die Hymne“ – Schockstarre! Und jetzt krieg‘ ich mich nicht mehr ein vor Lachen! 🙂
    Absolute Spitze!

  2. *kicher* – GENAU das denke auch ich über Wohnmobilurlaub. Eine Nacht mit der Freundin gleich in der Nähe am Strand war wirklich schön, aber TROTZ Wohnmobil *gg*

    • Ja, ich habe ja auch schon in Catbooks „Pferdetransporter“ übernachtet und fand es schön, obwohl ich mir so ein Geschoss nie zulegen würde. Ich hätte jetzt nicht gedacht, dass ich Bulli anstrengender finden würde als Zelt. Aber Zelt stellst Du hin und dann räumst Du eben nicht ständig irgendwas aus, ein oder um und wenn Du weiter ziehst, rollst du es ein und gut. Es kommt wahrscheinlich auch noch drauf an, welche Charaktere da aufeinander prallen.

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