Interview mit Habeck


Der Rallef hat ja schon gefragt wohin die Reise ging. Die Auflösung: Der Kölner Stadtanzeiger hatte zum Interview mit Robert Habeck geladen. Ich habe dann im richtigen Moment auf die Taste gehauen und ein Ticket bekommen. Also: Früh raus, Schlange stehen, Perso vorzeigen, Taschenkontrolle – in weiser Voraussicht hatte ich keine mit.

Die Requisite der Komedia hatte dann auch einen Küchentisch für Habeck bereit gestellt.

Wie zu erwarten ging es zu 90% um die Ereignisse im Bundestag der letzten Woche.  Kompromissbereit aber nicht erpressbar, europäisch, zukunftsorientiert, hat mich Robert Habeck manchmal an Schmidt und Brand erinnert.

Ich hatte vorher eine Frage eingereicht:
„Rund um Köln werden derzeit freie Flächen, hauptsächlich Feldflur, Landsschaftsschutzgebiete, Acker, Frischluftschneisen, mit dem Totschlagargument „Wohnungsmangel“ dem Siedlungsbau geopfert.
Dabei gibt es in Köln reichlich Leerstand, spätestens seit Corona. Aber auch ganze Wohnsiedlungen, z.B. in Höhenhaus, Gewerbeflächen, auf denen niemand mehr Büros bauen will, außerdem Wohngebäude, die immer noch Russland gehören, stehen seit Jahren leer.
Dieser sinnlose Flächenverbrauch schadet nicht nur dem Klima, sondern bedroht auch die Nahversorgung mit Lebensmitteln, die Wasserversorgung, den Hochwasserschutz und die Frischluftversorgung der Stadt.
Ich denke, in anderen Städten, ist das nicht anders. Es ist wohl einfacher ein Feld den Investoren zu überlassen, als innerstädtisch bereits versiegelte Flächen zu nutzen.
Was können wir tun, um diesen Flächenfraß zu verhindern? „
Die Journalistin dampfte das ein zu “ Eine Frage zum Klimaschutz: Was werden Sie tun um innerstädtische Zersiegelung zu verhindern.“
So ergibt das für mich keinen Sinn, aber Habeck hat wohl gewusst, worauf ich hinauswollte, und geantwortet, er wolle die Trennung von Wohn- und Gewerbebebauung teilweise aufheben. Im Wohngebiet, seien die Lärmschutzbestimmungen strenger, wenn im Wohngebiet nach 22.00 noch ein Kind mit dem Bobbycar rumführe, hieße es: Jetzt aber Ruhe! Im Gewerbegebiet könne es noch nach 22.00 noch zu Lärmbelästigung* kommen. Aber warum sollten nicht noch 4 Stockwerke auf einem Supermarkt stehen, wenn die Leute das in Kauf nähmen und dafür günstig wohnen könnten.
Letzte Frage: Was fällt ihm zu Köln ein?
1. Seine Laufstrecke am Rhein
2. „Vor der Veranstaltung gestern fingen ein Paar junge Grüne an zu singen, ein altes Lied von den Bläck Fööß, da singen die irgendwas von Römern…“
Der Saal: „Su sin mer all he hin jekumme, mir sprechen jetz all dieselve Sprooch, mir han dodurch su vill jewonne, mir sin wie mer sin, mir jecke am Rhing, dat es jet wo mer stolz drop sinn…“ Auf Kölner kann man sich verlassen. Der Flensburger freut sich.
Das war denn der Rausschmeißer.
*Gruß aus der Einflugschneise,
Bibo

4 Kommentare

  1. Das klingt mir insgesamt nach einer guten Veranstaltung! Dass er konkret auf die Bebauung der Felder bei Rath eingeht, war wohl eher nicht zu erwarten. Aber er hätte zumindest generell etwas zum Thema Bauen im Außenbereich und Bodenspekulation sagen können, denn Du hast ja zu Recht darauf verwiesen, dass das Thema nicht nur Köln betrifft.

    • Ich habe auch nicht konkret nach den Feldern bei Rath gefragt, sondern die Frage allgemein gehalten, gerade weil das überall zu beobachten ist. Und die Journalistin hat die Frage auch noch sinnentstellend gekürzt. Aber mich hat gewundert, dass die Frage überhaupt noch drankam.Es war schon zeitlich überzogen. Gewebegebiete auch für Wohnungsbau zu nutzen finde ich grundsätzlich gut. Hier in Eil gibt es auch so ein 70er Jahre Gewerbegebiet mit Autokino, das ist mittlerweile ziemlich tot, weil die Leute eben nicht mehr am Samstag mit dem Auto den Wocheneinkauf erledigen, sondern die Supermärkte und Discounter wieder näher an oder in die Ortszentren gerückt sind. In Köln gilt sogar die Devise Nahversorgung muss in die Ortszentren. Womit denn z.B. Neubrück, das kaum Einkaufsmöglichkeiten im Zentrum hat, ein Problem hat, weil außerhalb aber in der Nähe so was nicht mehr genehmigt wird. Aber über Neubrück könnte ich sowieso nen Roman schreiben.

  2. Ich habe mir gerade Robert Habecks Rede von gestern angehört ( https://www.youtube.com/live/UXcP231pkPU?si=Wc8NbgR0yqelpFoA ), die Du auf Bookcrossing verlinkt hast und bin ganz beheistert! Der hat geredet, ohne andere verletzend anzugreifen! Eigentlich hat er niemanden angegriffen, aber des Merzens Wortbruch mußte er natürlich benennen und hat ihn auch mit Zitaten belegt. Aber vor allem hat er eine der Zukunft optimistisch zugewandte Rede gehalten! Großartig!

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