Viele Wege führen nach Brück


Eigentlich wollte ich nur zur Apotheke in Neubrück die grünen Froschpillen abholen, also drei km hin und zurück. – „Wollen sie das nicht in einer näheren Apotheke holen?“ „Das ist die nächste Apotheke!“ – Tatsächlich liegt die 60er Jahre Scheußlichkeit Neubrück näher an meiner Behausung als Rath.

Der einsame Busch

Weil es kalt, aber sonnig war, bin ich noch von dort nach Brück geradelt und auf einem anderen Weg durch die Felder zurück. Der einsame Busch steht östlich der Birnbaumallee mitten im Feld. Auf der anderen Seite sind wir früher mit den Hunden Sonntags suchen gegangen, mit Genehmigung des Bauern.

Gänse auf dem Feld.

Winter-Weizen ist trittverträglich und auch die rastenden Gänse, die hier weiden machen ihm nicht viel aus. Im Gegenteil, wie alle Gräser, genau wie der Rasen, wird er durch Tritt und Verbiss angeregt, dichter zu wachsen. Allerdings gilt das nur, bis er anfängt lange Halme zu bilden, an denen sich zuerst die Blüten, später die Körner bilden. Dann ist hier betreten verboten. Was auch nicht funktioniert: Wenn viele Leute drüber trampeln bilden sich Trampelpfade auf denen nichts wächst. Die tägliche Abkürzung quer rüber ist also keine gute Idee.
Wie gesagt: Es war ziemlich eisig, hat aber Spaß gemacht und ich werde wohl die eine oder andere Felderrunde als Mini-Fitness-Übung einlegen.

4 Kommentare

  1. Die »60er Jahre Scheußlichkeit Neubrück« hat allerdings auch ihre Vorteile. Ich bin in Neubrück aufgewachsen und blicke auf eine Kindheit in einem Ort mit wenigen Autos, breiten und sicheren Fußgängerzonen, viel Platz zum Spielen und ohne Gehwegparken zurück. Als ich später nach Rath/Heumar gezogen bin, waren die schmalen Gehwege neben den viel befahrenen Straßen anfangs sehr ungewohnt für mich. Ich wette, dass diese Prägung mit ein Grund für meine Aversion gegen Autos ist.

    • Das war einmal. Mittlerweile ist Neubrück ein Stadtteil der am kippen ist. Es gibt immer noch keinen sinnvollen ÖPNV, es gibt keinen Vollversorger, es gibt keine weiterführenden Schulen, es gibt zu wenige Grundschul- und Kita-Plätze. Wie überall ist dem entsprechend die Anzahl der Autos gestiegen, es gibt aber nur zwei Ausfahrten aus Neubrück nämlich vom Europaring entweder zum nördlichen oder südlichen Ende des Neubrücker Ring. Im Berufsverkehr kommen die Leute da nicht mehr raus aus der Siedlung. Der autofreie Innenteil wirkt verwahrlost. Was mal Spielplätze waren sind Hundekack- und Scherbenstreifen. Defekte Spielgeräte wurden abgebaut und nicht ersetzt. Immerhin wurde der Helene Weber-Platz dieses Jahr mit ein paar neuen Bäumchen und Spielgeräten aufgehübscht. Wenn sie da jetzt noch 600 – 800 Wohnungen mit je 2 Autos anbauen droht der verkehrstechnische Supergau.
      Aber ja, im Vergleich zu Rath ist es behindertengerecht. Meine Mutter musste sich mit ihrer Gehbehinderung nach Neubrück orientieren, weil sie mit ihrem E-Mobil nicht mehr nach Rath reinkam.
      Ich bin ja zwischen den Orten, in Feld und Wald aufgewachsen und fand die Betonwüste schon als Kind abstoßend.
      Meine Aversion gegen Autos rührt eindeutig daher, dass ich schon als Kind mehr Verkehrstote gesehen habe als andere in ihrem ganzen Leben. Der „Flohberg“ galt als Landstraße und dem entsprechend wurde gerast. Neubrücker Ring war anfangs auch Rennstrecke. Aber trotzdem haben wir auf meinem Vorplatz gespielt oder in den Gärten und Hinterhöfen und im Feld. Zur Schule sind wir zu Fuß gegangen oder mit dem Rad gefahren. Insgesamt gab es bis in die 80er viel weniger Autos. „Carsharing“ war noch nicht erfunden, aber man hat sich mit mehreren ein Auto geteilt. Meines Opas Käfer haben meine Mutter und ich ihn bei Bedarf benutzt.

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