Gestern, als ich noch damit beschäftigt war, die Pilze von vorgestern bei Naturgucker.de zu melden, klingelte es an meiner Haustür. Ich hab doch nix bestellt? Ein Möbelpacker hat meine Klingel mit seinem Hintern ausgelöst. Die oberen Mieter ziehen aus. Schade, ich hatte mich gerade an die gewöhnt. Auf Umzugsgeklöter habe ich auch keine Lust. Ich packe die Knipse, setze mich auf den nächsten Zug und lande in Bad Schwartau. Da war ich noch nicht. Nachdem mir die Komotte ab Bahnhof Bad Schwartau eine Hand voll willkürlich durcheinander gewürfelter Wegpunkte als moderate Rundtour (Kurpark-Bohlenweg) angeboten hat, habe ich das nicht zum ersten Mal als freundliche Handlungsempfehlung genommen und Komoot als Wanderkarte genutzt.



Jugendstil-Villa – Mädchen vor der Bücherei -Georgskapelle
Außerdem hab ich Hunger, lasse den Kurpark links liegen und gehe an schönen Jugendstilvillen vorbei, zunächst in die Innenstadt. Wie auch in Eutin ist hier unmittelbar nach der Saison große Baustelle. Nachdem ich meinen Pilzfrust* mit einer sehr leckeren Wildpilze-Pizza gestillt habe, versuche ich gar nicht erst, das Punkte-Chaos der Komotte zu entwirren – wieso liegt die 9 vor der 1 und warum hätte ich dort links abbiegen und dann gleich umkehren sollen? – mache ich mich auf den Weg, übern Markt, an der Bücherei und an der Georgskapelle vorbei Richtung Schwartau.
* „Du hast ein Abo auf ungenießbare und giftige Pilze“ sagt der Biotom.
Nachdem ich die Schwartau überquert habe, geht es links in den Wald hinein. Und schon Bald zeigte sich, warum es noch sinnvoll war, die Komotte zu ignorieren:

Manche, der von Komoot angezeigten Wege waren einfach nicht mehr aufzufinden. Automatisch umplanen ist auch keine Lösung: Nein ich will nicht ganz hinten nach unten links, bis ich hier aber eine Etage tiefer bin und dann wieder zurück. Wer Karten lesen kann, ist klar im Vorteil. Ich blieb im Riesebusch auf dem Hauptweg.


Der Wald dort oben ist wunderschön. Die Wege auch relativ einfach zu begehen, auch ohne den Knüppel. (Den Knüppel muss ich Euch noch vorstellen.)


Gerade weil der Wald nicht mehr gepflegt wird, gibt es viel Totholz und wo es viel Totholz gibt, gibt es viele Pilze


Genau genommen, der südliche Wall der Vorburg der spätmittelalterlichen Burg im Riesebusch. Die Burg im Riesebusch war eine von nur vier Höhenburgen und die einzige Spornburg in Schleswig-Holstein. Hier gibt es mehr zur Burg und eine Zeichnung, wie man sich das vorzustellen hat. Ich ginng auf dem Hauptweg quasi längs durch die Burg. Links davon ging es steil runter und ich befürchtete schon ohne den Knüppel den steilen Hang nicht runter zu kommen Aber weit gefehlt. Am anderen Ende der Burg ging es in einem relativ sanften Bogen nach unten.




Links Stäublinge, Stäubling, Buckeltramete, rechts Pilze an Totholz
Links des Weges eine Feuchtwiese, rechts der Wald und wo ist der Bohlenweg? Der kam später. Statt dessen gab es nach dem überqueren einer Hauptstraße am Ortsrand von Riesebusch eine Überraschung:


Ich habe noch nie Riesen-Boviste gesehen, aber die Größe eines Fuß- oder Basketballs lässt eigentlich keine andere Interpretation zu. Die wären dann auch essbar gewesen.
Danach änderte sich auch die Landschaft: Wald war weg, Moor fing an.


Über den Kurzen Bohlenweg – Vorsicht glitschig – geht es hinein ins Moorgebiet.
Leider wächst da auch schon japanischer Knöterich. Die invasive Art kann ganze Feuchtgebiete überwuchern. Die gute Nachricht: Das Zeugs ist essbar! Soll angeblich wie Rhabarber schmecken, aber ohne Oxalsäure. Es gibt viel zu tun! Essen wir’s auf. Warum habe ich das nicht probiert?


Am Ende des Feuchtgebiets erwartete mich tatsächlich auch der Kurpark und von dort ging es wieder hoch zum Bahnhof.


