Was haben Köln und Lübeck gemeinsam? Beide waren Hansestädte. Heute ist Lübeck Welterbe. Ich nutze die Gelegenheit, dass ich noch ein bisschen zeitverschoben bin und fahre nach Lübeck. Um 11.00 komme ich an, um 11.15 stehe ich an der Kasse des europäischen Hansemuseums, bezahle nichts und bekomme eine Plastikeintrittskarte mit Chip. Die kann ich noch personalisieren, suche mir eine Stadt (Köln) und ein Thema (die schönen Dinge) aus, und dann geht es mit dem Aufzug nach unten. Unten ist es dunkel. Mit dem Chip kann ich alle möglichen Stationen freischalten. Neben mir liegt ei Kogge Boot. Die würde ich mir gern näher ansehen, aber sie versinkt in Dunkelheit.

Warum ausgerechnet das Huhn mit einem Spot beleuchtet ist? Keine Ahnung. Jedenfalls liegt das Boot an der Newa, erfahre ich. Die ersten Handlungsreisenden fuhren ca. 1193 noch vor der Gründung der Hanse, nach Nowgorod. Mit dem Chip kann ich jede Menge Texte und Grafiken freischalten, auch Hörstationen und an jeweils zwei kleinen Stationen die „personalisierten“ Informationen zu Köln und den schönen Dingen abrufen. Bei letzteren handelt es sich um Waren, die normale Frauen in Entzückensschreie ausbrechen lassen: edle Wollstoffe, Seide, glänzendes Geschmeide: Mit all dem wurde reger Handel betrieben. Außerdem mit eingesalzenen und getrockneten Fischen.

Hier geht es um die Stadterweiterung von Lübeck, die mit dem Aufschwung als reiche Handelsstadt notwendig wurde.

Hier werden in Nachbildung alte Handwerkstechniken gezeigt. Überhaupt gibt es in der Ausstellung nur sehr wenige echte Exponate. Ein kleiner Silberschatz und das eine oder andere Schwert. Dazu Faksimile von Verträgen.


Was die Leute so alles kaufen
Mir gefällt die Nachbildung des Marktes von Brügge. Neben Seiden und Wollstoffen, gibt es hier auch Waffen und Rüstungen, Pelze und Gewürze zu erstehen.

Dann kommt die Pest. Der Handel erliegt, und nach der Pest sind Fische unerschwinglich geworden. Den Text an der Hörstation aus Bocaccios Decamerone habe ich schon einmal gehört oder gelesen.
Nach der Pest blüht der Handel langsam wieder auf. Köln fliegt aus der Hanse, weil die Stadt weiter mit London handelt, während die anderen Hansestädte Londoner Tuche Boykottieren. Schließlich verträgt man sich wieder. Das zusammenleben der Kaufleute im Londoner Stalhof ist streng geregelt: Kein Glücksspiel, keine Frauen, und alle Mahlzeiten müssen gemeinsam eingenommen werden.
Auf dem Hansetag in Lübeck werden wichtige Dinge unter den Handelsvertretern besprochen.

Hinter Milchglasscheiben tobt ein Aufstand der Handwerker. Kurz vor 15.00 bringt mich der Aufzug wieder ans Tageslicht. Die Sonne strahlt. Ich beende meinen Besuch in der Ausstellung. Das Burgkloster kann ich ein anderes Mal besuchen.
Weiß nicht so genau, was ich von der Ausstellung halten soll. Wahrscheinlich hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Die düsteren Gänge und die Kulissen haben mich an das Dungeon in Hamburg erinnert. Aber dort führten Schauspieler durch’s Geschehen, hier hauptsächlich Texttafeln. Die vielen Texte hätte ich mir wohl bequemer mit einem Buch oder einer Zeitschrift wie Geo-Epoche erschließen können ohne Knie und Rücken zu belasten. Andererseits erzeugten viele der Kulissen einen Eindruck mitten im Geschehen zu sein.
Ich mag Museen, die mich in die Zeit versetzen. Vor allen Jahrzehnten war ich mal in dem Wikingermuseum in York. Dort haben sie sogar Gerüche, was nicht immer angenehm war, geboten. Im Auswanderermuseum. In Bremerhaven geht man auch durch Schiffe und Kabinen.
Ja, das Auswanderermuseum mochte ich auch, ebenso das Hamburg-Dungeon, trotz der Gruseleffekte bei der Pest. Aber ich dachte nicht, an einen Vergleich mit dem Auswanderermuseum. Vielleicht lag es an der Reizüberflutung aus dunklen Gängen, sehr hellen Spots und leuchtenden Monitoren. Ich sage ja auch nicht, dass ich es schlecht fand, sondern nur, dass ich nach fast vier Stunden genug hatte. In den letzten Jahren haben mir auch meistens die Sonderausstellungen gereicht und evtl. noch eine andere oder ein Stückchen der Dauerausstellung.
Achja, Bremerhaven: Ins Klimahaus wollte ich auch immer mal.