Schräglage


Nicht nur in der Politik, wo der strahlende Verlierer das Kanzleramt anstrebt, sondern auch im Garten.
Es war einmal, vor langer Zeit, da pflanzte meine Mutter den Garten mit niedlichen kleinen Koniferen voll. Unter anderem drei Fichten, viel zu dicht an der Böschung zur Terrasse.
Die Jahre vergingen, und aus den niedlichen kleinen Fichten wurden sehr große Fichten. Mittlerweile überragen sie das Haus vom Keller bis zum Dach.
Und während Stürme tobten und Fichten fällten, und Trockenheit und Borkenkäfer sämtliche Fichten im Ort killten, standen diese drei immer noch auf ihrer kleinen Böschung nah beim Haus.

Nur bei einer hat ein Sturm einen Zwiesel abgebrochen.

Zwiesel sagt der Förster zu einer Doppelspitze, und diese hat bei näherer Betrachtung mehrere davon. Das macht sie als Holzlieferanten nicht beliebt, und auch sonst sind Doppelspitzen ja nicht so ganz unproblematisch. Zum Beispiel kann die Standfestigkeit darunter leiden.

Da hängt der Zwiesel in unerreichbarer Höhe, und ich erwartete, dass der Ast irgendwann runter fällt, hoffentlich nicht gerade mir oder der Mieterin auf den Kopf.

Aber dann eines Tages, als ich ganz hinten im Garten in der Hängematte hing und zu den Fichten aufschaute, da dachte ich: Die steht doch schief.

Stimmt! Steht schief! Mittlerweile nicht mehr zu übersehen. Im Laufe dieses Jahres hat sie sich immer mehr nach links geneigt. Und die Nadeln sind irgendwie gelber als die der beiden anderen beiden.
Jetzt habe ich keine Angst mehr, dass mir der Ast auf den Kopf fällt, sondern gleich die ganze Fichte.

Neulich war der Baumpfleger hier. Er soll den mittlerweile eingegangenen Laubbaum fällen, zwei vertrocknete Stämme des Goldregens Methusalem, und ich bat ihn, mal einen Blick auf die Fichte werfen.
Sein fachmännisches Urteil: Die muss weg! Und die anderen beiden gleich mit. Denn die lehnen sich als Ausgleich zum Haus.
Aber sonst fand er meinen Garten richtig gut. Würde er alles so lassen.
Tja, ich trauere jetzt schon. Es war in den heißen Sommern immer schön kühl auf dem Moosen unter den Fichten. Und lebende Bäume fällen lassen ist sowieso nicht mein Ding.

Aber in jedem Tod liegt ein Neuanfang:
Denn im Schatten der Fichten steht schon eine kleine Eibe in der Warteschleife und ein noch kleinerer Wachholder (?) dahinter, Vogelschisspflanzen vermutlich. Und winzig kleine Haselnuss, vom Hörnchen gepflanzt. Die können dann wachsen, wenn sie nicht mehr von den Fichten unterdrückt werden.
Aber die Brombeere bitte nicht!

Wer pflanzt, ist doof!

Peter Wohlleben (?)

4 Kommentare

      • …aber super als Anmachholz, die wirste sicher gut los. Oder legst sie als Totholz hin.
        Um Fichten würde ich garnicht so dolle trauern, aber ich mag eh nicht so gern Nadelbäume…

      • Ich trauere eher über den kühlen Schattenplatz unter den Fichten.Da muss ich mir wohl eine andere Ecke suchen. Und wahrscheinlich kommt mehr Lärm tagsüber und mehr Licht nachts nach hinten durch. Donnerstag wird schon gefällt. Bin mal gespannt, wie es hinterher aussieht.

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