Bestimmeritis


Autobibografisches Vorwort: Nach dem Abitur wollte ich Biologie studieren, drehte aber vorher noch eine Ehrenrunde bei der Rheinischen Akademie für biologisch-technische Assistentinnen. Daher kenne ich auch den Biotom.
Nach einem Jahr stellte ich fest, dass man für ein Bio-Studium im Allgemeinen Tiere töten muss (muss man heute nicht mehr) und die BTA im Speziellen immer die ist, die tötet und Tierversuche durchführt. Also verließ ich diese, ansonsten empfehlenswerte Schule, nach einem Jahr, aber nicht ohne noch die Grundlagen der Artenbestimmung mitzunehmen. Für Pflanzen hatten wir damals die Flora von Deutschland.
Das Thema Naturbeobachtung, Natur- und Artenschutz verfolgte ich aber immer weiter. Das gipfelte dann 2010 in meinem Sommer auf Holnis als Schutzgebietsbetreuerin.
Wieder in Hamburg machte ich einen Lehrgang über Waldökologie der Schutzgemeinschaft deutscher Wald. Auch da wurde fleißig bestimmt und aus einem Sammelsurium von ausgestopften Tieren auf das Biotop in dem sie zu finden sind zurückgeschlossen. Was für mich damals eine leichte Fingerübung war, damit taten sich einige Teilnehmer doch ziemlich schwer. Eine Alpendohle für eine Amsel halten ist schon speziell. Aber es ist ja noch keine Meisterin vom Himmel gefallen.
Und jetzt ackere ich mich in Rekordzeit durch den ersten Lehrgang der Nabu/Naturgucker Akademie zum Thema Vögel. Wieder wollen diverse Vögel bestimmt werden, und ich dachte, ich mache mal was zum Thema Bestimmungsbücher.
Da hat sich hier doch so einiges angesammelt und ich stelle mal einige vor.

Die Generalisten

Der dicke Balken

Vorteil: Ziemlich komplette Artenübersicht der Tiere Mitteleuropas
Nachteil: Mit 1,5 kg zu schwer für unterwegs, dafür ist alles drin. Teilweise haben aber in der Zwischenzeit einige der Tierchen den wissenschaftlichen Namen gewechselt.

Der Mittelschwere

Der bietet nun einen guten Überblick über Tiere und Pflanzen in Deutschland.
Mit immerhin 750 Gramm auch nicht gerade ein Leichtgewicht das für unterwegs im Titel ist also immer noch Geschmackssache. Ob ich die Alpen mitnehmen muss, wenn ich an der Nordseeküste unterwegs bin, sei mal dahingestellt.
Vorteil: Was mir wirklich gut gefällt an diesem Führer: Es gibt zumindest für einige Arten auch Abbildungen im Flug, von Weibchen und Küken.
Nachteil: zu schwer, zu allgemein, kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Spezialisten

Die Vogelführer

Vorteil: Ziemlich komplette Artenübersicht der Vögel Mitteleuropas
Nachteil: Männchen nur im Prachtkleid abgebildet, Ruhekleid oder Weibchen als kleine Zeichnung.

Vorteil: Komplette Artenübersicht der Vögel Mitteleuropas. Bestimmung nach Zeichungen mit den Speziellen Kennzeichen für verschiedene Geschlechter, Jahreszeiten und Altersstadien. Dei Arten können gut untereinander verglichen werden
Nachteil: Ich wünsche mir manchmal eine Lupe.

Spezialführer

Der Lebensraum

Vorteil: Guter Artenübersicht eines Lebensraums, hier Wattenmeer. Also die Alpen müssen nicht mit an die Nordseeküste.
Nachteil: Nur Vogel-Männchen im Prachtkleid abgebildet.

Die Minis


Das sind nun die absoluten Anfängermodelle.
Vorteil: Sehr klein, sehr handlich, passen auch ins Damenhandtäschchen und stellen nur jeweils einen sehr kleinen Lebensraum dar.
Nachteil: Sehr viel Mut zur Lücke! Wer da näher ins Thema einsteigen will, wird schnell enttäuscht. Im Heftchen, der Teich, hat nicht einmal eine Stockente oder Teichralle Platz.
Kann eigentlich weg.

Naturreiseführer

Der Gute

Vorteil: Im vorderen Teil ein übersichtlicher Reiseführer mit Schwerpunkt auf Naturräumen und den dort zu erwartenden Tieren und Pflanzen, im hinteren Teil ein echtes Bestimmungsbuch der gängigsten Arten. Er ersetzt keinen Reiseführer, das soll er auch nicht.
Nachteil: Leider wird die Reihe vom Kosmos-Verlag nicht mehr aufgelegt. Und das ist sehr schade! Das ist wahrscheinlich das Beste, was man als Naturführer für Reisen ins Ausland bekommen kann. Falls Ihr sie antiquarisch bekommt, schlagt zu! Naturführer veralten nicht so schnell.
Ich hatte einmal die Gelegenheit, ganz viele davon in einem öffentlichen Bücherschrank zu sehen. Zu sehen! Leider ich hatte ich nichts zum tragen mit! Und so haben es nur Australien und Namibia zu mir geschafft.

Der Natur-Reiseführer


Nur der Vollständigkeit halber erwähnt, das Gegenstück von BLV:
Das ist jetzt kein Bestimmungsbuch, sondern ein Natur-Reiseführer. Kunst und Kultur fehlt ganz, dafür werden verschiedene Naturräume eines Landes vorgestellt. Mit einigen typischen Arten. Praktisch zur Vorbereitung einer Reise. Auch diese Reihe wird anscheinend nicht mehr verlegt.

Die Apps

Mittlerweile hat ja jeder sein Handy in der Tasche und so kommen auch immer mehr Naturführer als App heraus, viele davon in einer kostenlosen Version.
Für die Vogelbestimmung habe ich gerade zwei auf dem Handy.
Die Nabu-Vogelwelt ((jaa, gibt es auch bei Google) taugt als Bestimmungshilfe für unterwegs, Vorausgesetzt man hat einen Plan, was man überhaupt sucht, denn die Suche nach Farbe, Größe Schnabellänge etc. führt manchmal, manchmal auch nicht zum Ergebnis.
Wenn ich zu Hause bin, suche ich am Rechner auf naturgucker. de nach einer Art und lasse mir dann die Verwandtschaft anzeigen.

Quelle: Naturgucker.de

Vogelstimmen sind dann wieder so ein Thema. Ich zum Beispiel höre nicht mehr so gut.
Mit BirdNET (jaa, gibt es auch bei Google) kann man Vogelstimmen aufzeichnen und dann bestimmen lassen. Stimmt erstaunlich oft.

Sehr schön ist auch der Beach-Explorer. Er lohnt sich vor allem bei einem Aufenthalt an der Küste. Für Laien absolut leicht bedienbar, man kann auch nach Glibber suchen, aber nichts für schwache Nerven, da auch schon mal eine tote Kuh als Bestimmungshilfe dient.
Es gibt sicher auch noch andere regionale oder überregionale Apps. Die würden aber hier zu weit führen.

3 Kommentare

  1. Ich habe Ja selber Biologie dann studiert, aber mit Bestimmungsübung, egal ob Pflanze oder Tier, habe ich mich immer schwergetan. Das führte auch dazu dass ich die Klausur Bestimmungsübungen Botanik zweimal schreiben musste. Vogelstimmenexkursion fanden immer früh morgens entweder im Stadtpark oder im nahe gelegenen Riddagshausen (Klosterteiche mit Wald) statt. Ich bin froh dass ich eine Feld-Lerche von einem Bussard (akustisch) unterscheiden kann. meine Welt sind die Säugetiere. Meine Examensarbeit habe ich über Kleinsäuger geschrieben. Da kann ich auch heute noch die verschiedenen Mäuse und Klein Säuger Arten gut unterscheiden. Ich hoffe das ich in nächster Zeit mich wieder etwas mehr mit Themen außerhalb meiner Arbeit beschäftigen kann.

  2. Dass bei den Säuge- und anderen Tieren die wissenschaftlichen Namen wechseln kommt – zuindest bei unseren europäisschen Arten – relativ selten vor. Viel schlimmer ist das „Namen wechsel dich“ bei meinen „Lieblingen“, den Pilzen. Bsp: Flockenstieliger Hexenröhrling – früher Boletus erythropus, dann Neoboletus luridus, jetzt Neoboletus erythropus (jedenfalls hat er seinen „roten Fuß“ wieder). Oder Maronenröhrling – früher Xerocomus badius, hat sogar sein Geschlecht gewechselt und heißt jetzt Imleria badia.
    Der Tränende Saumpilz hatte immer diesen fast schon wie ein Zauberspruch klingenden Namen: Lacrymaria lacrymabunda, bis man ihn zu einem knirschenden Psaythyrella lacrymabunda machte. Zum Glück hat man ihn zurück benamst, jetzt heißt er wie vorher.

    Zur Vogelbestimmung nutze ich „Pareys Buch der Vögel“, für die Limnologie „Das Leben im Wassertropfen“ und „Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher“, zur Fischbestimmung (ab Mittelmeer nach Süden und Westen) den Debelius-Fischführer Mittelmeer und Atlantik sowie das Haie-Bestimmungsbuch aus dem Tetra-Verlag.
    Und zum Pflanzenbestimmung neben der „Flora von Deutschland …“ noch einige andere (Bilder-)Bücher.
    Allerdings komme ich allein bei der Anzahl der Pilzbestimmungsbücher auf die überwältigende Anzahl von über 100 Stück, darunter auch „Texas Mushrooms“ mit den Pilzarten amerikanischer Südstaaten und bis nach Mittelamerika.

    • Ich habe ja schon auf der Rheinischen Pflanzen rückwärts bestimmt, wenn ich die Art kannte. Bei Pflanzen sucheIch jetzt zuerst in einem Bilderbuch und verifiziere mit Schmeil-Fitschen. Wobei mich das ganz wuschig macht, wenn in den Bilderbüchern nach Blütenfarbe bestimmt wird. Ich habe hier nur zwei: Wildblumen von Bertram Münker und Strauchgehölze Mit mehreren Autoren aus der Reihe: Die farbigen Naturführer. Lizenzausgabe für Bertelsmann. Gar nicht mal so übel.

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