Seit Jahren halte ich mir den frei, um ein oder mehrere Denkmale zu besichtigen und erst jetzt habe ich gelernt: Es ist jedes Jahr am 2. Sonntag im Oktober. In Köln waren es wegen der Masse des Angebots Samstag und Sonntag. Hier liegen die offenen Denkmale weiter auseinander. Den Kurpark in Malente habe ich wegen Schietwetter verworfen und mich für eine Führung durch das Prinzenhaus in Plön entschieden. Dort kannte ich bislang nur den Weg zu den Toiletten und die Außenansicht.
Das Prinzenhaus bekam seinen heutigen Namen, weil es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts den Söhnen des deutschen Kaisers Wilhelm II. als Wohnort und Schule diente. Damals wurden auch die beiden Seitenflügel angebaut. Um Platz für die Unterbringung der kaiserlichen Söhne zu schaffen, wurde die Grundfläche des Kernbaus durch zwei Anbauten von 1895 bis 1896 mehr als verdoppelt.


Der so genante Kernbau, also das Mittelstück entstand ab 1744 als Lustschloss und Wohnhaus des damaligen Eigentümers Friedrich Karl von Schleswig-Holstein errichtet wurde. Das Haus erlitt eine wechselhafte Geschichte, war abwechselnd mal Dänisch mal Deutsch, mal Wohnung des Pfarrers mal des Gärtners, mal Schulhaus der Prinzen, mal Mädchenpensionat. Nach der Schließung der Mädchenschule wurde kein Investor gefunden und stand leer, bevor die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sich erbarmte und es kaufte.
Bei der Restauration kam im Gartensaal des Kernhauses unter Schichten von Tapeten, Dreck und Farbe feiner Stuck aus dem Rokkoko zu Tage. Hier finden auch heute wieder Konzerte statt.


Genau darüber, in der oberen Etage kamen unter Schichten von Tapeten, Dreck und Farbe prächtige Wandmalereien hervor. Das Deckengemälde zeigt den Triumph der Flora, rund um den Saal sind Allegorien der Künste und der Wissenschaften dargestellt.
Beeindruckend fand ich auch den Marmorsaal, aber obwohl ich die Kamera mit dem kleineren (und leichteren) Weitwinkel-Objektiv für Innenräume ausgestattet hatte, konnte ich wie so oft bei Führungen praktisch nur nach oben fotografieren. Wer aber mehr erfahren möchte, kann das hier im Online-Artikel der Monumente nachlesen und anschauen.
Unsere Führerin hatte viel Spannendes zu erzählen, und so wurden aus der geplanten Stunde Führung lockere anderthalb. „Wir müssen weiter, mir sitzt schon der Herr XY im Nacken!“ Beim Rausgehen gab es noch einen Gabentisch, und es hieß: „Sie können sich hier etwas kostenlos mitnehmen“ „Ochja, die Monumente mag ich ganz gern.“ „Monumente? Moment!“, und während ich noch mir eine der Zeitschriften aussuchen wollte, packte er mir eine ganze Tüte voll. Ich hab ja sonst nix zum lesen. 😉
Das finde ich auch so schön am Tag des offenen Denkmals: Die Leute sind wirklich mit Herzblut und Begeisterung dabei und oftmals öffnen Privatleute die Türen zu ihren Häusern und Gärten.
Und übrigens: Der Denkmalschutz ist nicht der böse Feind, er ist Dein Freund, der beratend und mit Fördergeldern unterstützen kann.
