Nachlese


Manche wissen es ja schon: Freitag habe ich die Tour leider abbrechen müssen, weil mir ständig neue Unwetterwarnungen entgegen kamen. Gefühlt so etwa eine pro Minute. ( Katwarn warnt schnell und zuverlässig, die staatliche Nina leider oft verspätet und nur nur im vorgegebenen Bereich.) Gegen ein Bisschen Regen habe ich nichts, auch nichts dagegen, mal ein Gewitter in einer Kneipe auszusitzen, aber mit dem Rad im Gewitter durch den Wald oder über die Hügel zu fahren hat dann doch schon was von Darwin Award. Ich liebe die Natur und respektiere sie auch.
Beim Auschecken in Attendorn fing es dann auch schon an zu gewittern.

Ich bin also auf den Zug gesprungen und über Finnentrop, Hagen, Deutz, nach Hause gefahren. Und hier sieht man auch gleich die Kehrseite der Medaille: Von Attendorn nach Köln ist es eigentlich ein Katzensprung. Die stillgelegten Bahntrassen, die mir als Radfahrerin so gelegen kommen, sind eben genau das: stillgelegte Bahntrassen. Und so wird der Weg nach Köln mit der Bahn eine halbe Weltreise. Vielleicht schaffen sie ja, nachdem die Aggertalbahn ja wieder fährt,  den Kurzschluss zwischen Olpe und Gummersbach wieder zu füllen. Das aber ginge wohl nur, indem man die schönen neuen Radpisten und Fledermaustunnel wieder zu Bahnstrecken macht. Pest oder Cholera.

Am Wochenende habe ich alle bisherigen Blogbeiträge nachbearbeitet, die Autokorrekturfehler des Handys ausgemerzt (Schwelle zu Schwelm), Links und noch ein paar Fotos hinzugefügt, Kleinigkeiten ergänzt, die Karten mit eingebaut und mit Komoot verlinkt. Wer mag, kann noch mal reinschauen.

Was unerwähnt und unfotografiert blieb:
Auerochsen als Landschaftspfleger an der Ruhr und an der Lippe. Eine Wiese voller Graureiher auf Mäusejagd, Störche, Feldlerchen, Goldammern, Rotmilane und viele mehr.

Was gut war: 

  • Das Wetter. Tatsächlich bin ich nur zweimal nass geworden, das aber richtig.
  • Schlafen bei offenem Fenster ohne Lärm und Lichtverschmutzung, sogar in der Stadt.
  • Die Fahrradinfrastruktur hat sich für Reisende erheblich verbessert. Es gab nahezu flächendeckend eine Wegweisung, auch wenn sie manchmal offensichtlich vom Schreibtischstuhl aus geplant und ein wenig fragwürdig war, es gab sie. Der gute Wille zählt.
  • Radfernwege, Bahntrassenradeln, teilweise sehr liebevoll gestaltete Rastplätze.

Was nicht so gut war:
Die Versorgungslage, dazu später mehr.

Was gefehlt hat:
Begehbare Badestellen und ab und zu ein Klo.

Best of:
Bester Radweg: SauerlandRoute.
Beste Lage: Gut Rothensiek (Hinweg), Landhotel zum Anker (Rückweg)
Bestes Frühstück: Appel-Krug in Delbrück
Bestes Mittagessen: Mittagessen? Welches Mittagessen? Damentoast im Erlenhof in Wickede
Bestes Abendmahl: Selbst geräucherter Wildlachs, Landhotel zum Anker
Bestes Preis/Leistungsverhältnis:  Landhotel zum Anker
Günstigstes Zimmer: Apshoff in Meschede
Schlechtestes Preis/Leistungsverhältnis:  Hotel zur Post in Attendorn. (teurer als Gut Rothensiek, dafür ein heißes Zimmer unterm Dach, dass sich außer durch ein überdimensioniertes Bad in nichts von allen anderen Zimmern unterschied.)

Und dann war da noch:
Die Besteigung des Rum Doodle ist eine gelungene Persiflage auf die ehrgeizigen, nationalistischen Bergexpeditionen der 30er bis 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Ich habe das Buch angefangen auf dem Rückweg von der Uncon in Seesen zu lesen und es ergaben sich einige witzige Parallelen zu meiner eigenen „Expedition“ 😉
Am 28. Mai bin ich schon morgens müde und auf dem Baum- und strauchlosen Solling herrscht nahezu unerträgliche Hitze. Im Buch heißt es: „Burley wurde durch Hitze-Trägheit flachgelegt…“
Mein Navi gaukelte mir eine fiese Steigung vor, die sich als Tunnel erwies. Im Buch heißt es: „Er (Wish) testete unsere Siedethermometer und konnte so als Durchschnitt aus vielen Messungen die Höhe unseres Schiffs mit 153 Fuß über dem Meeresspiegel angeben.“
Schließlich folgte ich der örtlichen Beschilderung nach Uslar, das aber immer 3km entfernt blieb, um dann ganz zu verschwinden. Ich schlussfolgerte, dass Uslar nicht existiert. Im Buch heißt es: „Nach der Hälfte der Strecke auf der Great North Road –ich reiste per Fahrrad – begann ich zu vermuten, dass Schottland gar nicht existiere: dass es erfunden worden sei, um mich zum Narren zu halten.“
Im Buch leidet Binder ständig unter Magenproblemen wegen der unverdaulichen Mahlzeiten des Kochs Pong. Und auch ich hatte auf der Tour ein wenig mit dem Magen zu kämpfen, wegen der schlechten Versorgungslage in den sterbenden Orten.

Dazu später mehr.

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