Das Römergrab


„Kaum stichst Du in Köln einen Spaten in den Boden, hast Du ein Problem.“

Running Gag der Kölner Museen.

1843 sollte in Weiden an der Aachener Straße, der ehemaligen via belgica, eine Lagerhalle gebaut werden. Dabei kam ein Schutthaufen zu Tage, der sich als eingestürzte römische Grabanlage entpuppte.
War wieder nix mit Lagerhalle.
Das ist übrigens der Grund, warum in Köln und Umgebung manche Bauvorhaben etwas länger dauern oder gar ganz scheitern: Alte Römer, Mittelalter und Blindgänger.

Die von Zwirner erbaute Kuppel des Schutzhauses

Jedenfalls erwarb der damals noch preußische Staat das Bodendenkmal und beauftragte den Dombaumeister Ludwig Zwirner mit dem Wiederaufbau. Der stellte die Grabkammer wieder her und errichtete einen Schutzbau für das Grab und ein Wärterhaus daneben. Beide stehen mittlerweile selbst unter Denkmalschutz.

Das Wärterhaus war lange vermietet und die Mieter hatten die Aufgabe, den Schlüssel für Besucher rauszurücken.
Hat nicht funktioniert.
Die letzten Mieter waren bockig und hatten das Abwimmeln der Besucher zur Kunst erhoben. Nach deren Auszug stand das Wärterhaus lange leer, und die Besucher mussten sich den Schlüssel bei der zuständigen Behörde abholen.
Hat auch nicht funktioniert.

Aber jetzt: Jetzt wurde das Pförtnerhaus renoviert und das Römergrab kann zu festen Zeiten besichtigt werden. Im Pförtnerhaus befindet sich jetzt ein Kassenraum. von dort gelangt man in zwei Ausstellungsräume, in dene das Leben und Sterben auf den römischen Landgütern erläutert wird. Mit herzerweichenden Hörspieleinlagen von Mariele Millowitsch und Jürgen Becker. Im Obergeschoss gibt es noch einen Seminarraum für Gruppen. Anschließend geht es in die Grabanlage, nur in Begleitung.

Erster Blick in die Grabkammer: Ein Ventilator sorgt für Entlüftung. Daneben der schlichte, angepasste Fußboden von Zwirner

Was folgt, ist eine hochinteressante, sehr engagierte Führung in die Grabkammer. Über eine steile Stiege geht es abwärts.

Der Sarkophag stand ursprünglich wohl nicht dort, sondern ist beim Einsturz in die Grabkammer gekracht.

In den Nischen standen früher die Urnen der Verstorbenen. Die Grabkammer ist einem römischen Speisesaal nachempfunden, mit Speiseliegen für die Herren und Korbsesseln für die Damen, aber alles in Stein gehauen.

Während zwei der Büsten sehr fein und individuell gearbeitet sind, wirkt die dritte etwas merkwürdig: schlicht das Gesicht, brilliant das Gewand. Ja, Marmor war teuer und die Römer haben auch schon das Recycling erfunden.

Der detailreiche Sarkophag ist etwa 200 Jahre jünger als der Rest. Er markiert den Übergang von der Urnen- zur Sargbestattung.

Anfahrt: KVB Linie 1: Weiden Römergrab
Mehr Infos: roemergrab.de

2 Kommentare

    • Kann man sich ja schön in den Garten stellen. Diese Kanalstücke stehen meist unbeachtet an verschiedenen Stellen in Köln rum.

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