Mont St. Michel


Die erste steile These: Bookcrosserinnen sind leicht übergewichtig, haben Katzen und stricken.
Naja, eine Katze hatte ich auch mal.
Die zweite steile These: Bookcrosserinnen sind Stubenhocker, die lesen ja nur. Kann ich jetzt so nicht bestätigen.
Lesen bildet nicht zwangsläufig.
Die dritte steile These: Bookcrossing bildet und hält fit und gesund.
Da ist was dran.
Eins der Bücher, auf die „Lesen bildet“ so gar nicht zutrifft, habe ich neulich in die Ecke gepfeffert: Seitenlang verfolgte irgendwer irgendwen durch die düsteren Gänge des Mont St. Michel.
Wegen der düsteren, nebeligen, verschneiten Abbildung auf dem Umschlag, konnte ich es aber wenigstens für die Winterchallenge gebrauchen. Das bedeutet aber auch, keine persönliche Übergabe, kein Versand per Post, nur richtig freilassen, notfalls im öffentlichen Bücherschrank. Also mal wieder runter vom Sofa, an die frische Novemberluft.
Für einen Themenrelease ist der echte Mont St. Michel ganz schön weit weg. Während ich noch überlegte, ob sich wohl eine der drei Kirchen Namens St. Michael in Köln dazu eignen, schlug mir der Routenplaner meines Vertrauens den Michaelsberg in Siegburg vor. Passt!
Auf nach Siegburg.

steile Stiege zum Michaelsberg

Der Michaelsberg ist ein Vulkankegel, der hauptsächlich aus Tuff besteht. Um 800 errichteten dort die Ezzonen eine Burg. Bevor die Benediktinerabtei errichtet wurde, hieß der Berg Sygberg.

1064 gründete der Kölner Erzbischof Anno II. die Benediktinerabtei, die nach ihrem Schutzpatron, dem Erzengel Michael benannt wurde.
Komoot behauptet: „Du hast dein Ziel erreicht!“ Stimmt schon, aber eigentlich hatte ich das als Rundtour geplant.
Erstmal rein. verlaufen kann man sich auf einem runde Berg eher nicht.

Die Abtei hat eine bewegte Geschichte hinter sich: 1803 säkularisiert, danach Irrenanstalt, Zuchthaus, wieder Kloster, Reservelazarett, dann Heimatmuseum, und schließlich 1944 fast völlig zerstört. Wieder kehrten die Mönche zurück und das Kloster wurde wieder aufgebaut.
2011 wurde die Abtei wieder aufgelöst.
Seit 2013 ist dort eine Ordensgemeinschaft der unbeschuhten Karmeliten eingezogen.

In die Kirche kann man reinschauen, in die Klosteranlage selbst aber nicht. Der Bischof hat die verstörende Eigenschaft, zurückzuschauen, egal, wo man steht. Hier geht es also erstmal nicht weiter.
Das Buch „Das Testament des Teufels“ hinterlasse ich in der Bausünde nebenan. Der häßliche Kasten ist ein Hotel und Tagungsstätte.

Unterhalb der Burgmauer, befindet sich ein Rosengarten und Reste der mittelalterlichen Befestigung. Hier blühen tatsächlich noch Rosen und Fuchsien.

Ich versuche mein Glück von der anderen Seite.

Der Michaelsberg ist umgeben von einem schönen Park. Unterhalb der Klostermauer laufe ich weiter, bis mich die nächste steile Stiege wieder nach oben führt, durch eine kleine Pforte. zum Johannistürmchen.

Von dort finde ich tatsächlich den Durchgang, an dem der Komoot aufgegeben hat. Zwischen dem Kloster und der Bausünde führt ein Durchgang zum Parkplatz. Ich bin also wieder da, wo ich vorher war und erst jetzt fallen mir die bunten Krähen auf. Ein ähnliches Paar sitzt auf der Rheinfähre zwischen Wesseling und Niederkassel.

Die nächste Runde geht dann eine Etage tiefer durch den Park mit dem schönen alten Baumbestand und Blick auf den Michaelsberg.

Vorbei an St. Servatius. Ist der Hund verantwortlich dafür, dass Postboten und Paketzusteller gesucht werden? Bis zum Schandpfahl am Marktplatz. Hier findet gerade der Mittelalterliche Weihnachtsmarkt statt. Die übliche Ansammlung von Fressbuden in mittelalterlicher Gewandung, mit erstaunlich wenig Weihnachtskitsch, aber auch ein bisschen Spektakulum. Kinder bewundern einen echten Schmied und üben sich im Bogenschießen. Es gibt auch einen Marktschreier und eine Bühne, auf der aber leider noch niemand aufspielt. Als ich zu Hause ankomme, ist es schon dunkel.

https://www.komoot.de/tour/985714056

Ein Kommentar

  1. Katzen ja, Übergewicht auch ja, Stubenhocker aktuell ja, weil ich noch unter den C-Nachrikungen laboriere aber auch sonst klebe ich etwas an meiner „Scholle“ muss erst einen Rythmus für mich finden. Wegen der Katzen ist auch jeder größerer (längerer) Ausflug mit Betreuungsorganisation verbunden

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