Sie sehen, dass Sie nichts sehen: ein Bodendenkmal


Weil Sonntag noch schönes Wetter war, habe ich mir ein Denkmal ganz in der Nähe ausgesucht: Die Merheimer Fliehburg. Hä? Nie gehört!
Auf bekanntem Weg ging es mit dem Rad zum Treffpunkt: Haltestelle Flehbachstraße. Von dort, in einer großen Gruppe zu Fuß am Flehbach lang, immer noch auf bekanntem Weg. Nur sonst fahre ich da mit dem Rad.

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Wir erfahren, dass wir uns auf der Niederterrasse des Rheins befinden. Königsforst und Wahner Heide liegen auf der Mittelterrasse und danach geht es noch hoch zum Bergischen Land. Heute ist die Landschaft stark von Menschen überprägt.

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hinten der Hubbel ist die Böschung der Autobahn.

In der Jungsteinzeit war hier ein menschliches Siedlungsgebiet. Leider keine Bandkeramik-Siedlung, wie es sie auf der anderen Rheinseite gibt, die haben nämlich viel mehr hinterlassen, sondern eine andere Siedlungsform, die der Michelsberger Kultur zugerechnet wird.
Nun erfahre ich auch, warum hier, im Merheimer Bruch, der kanalisierte Flehbach so tief liegt.

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Rechts oben der Weg, links der Merheimer Bruch

Denn da unten, wo jetzt das viele Schilf steht, war damals in der Jungsteinzeit noch ein abgetrennter Rheinarm. Der später verlandete und viel später ganz entwässert und trocken gelegt wurde. Also eigentlich mündete der Flehbach damals schon hier in den Rheinarm und nicht, wie heute kanalisiert in den Rhein.
Geplant ist, den Merheimer Bruch zu renaturieren und wieder zu vernässen.Jedoch die Anwohner fürchten die Mücken.

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ob da jemals wieder Wasser reinkommt?

Jedenfalls kamen hier an der Stelle zwei dieser alten Rheinarme zusammen und dazwischen lag eine Insel oder Halbinsel und auf der siedelten die Michelsberger.

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Der Hubbel da hinten ist die Fliehburg

Die Fliehburg ist also natürlichen Ursprungs. Dort wurden Siedlungsreste – leider nur wenige – Scherben und Steinbeile gefunden. Weil die Michelsberger nicht, wie die tollen Bandkeramiker, ihre Häuser auf Pfosten bauten, kann man die Häuser auch nicht rekonstruieren.
Nach einem längeren Aufenthalt unter der Autobahnbrücke, wo auch unter anderem gezeigt wurde, wie ein Abschlag entsteht, erklommen wir über einen Trampelpfad die Merheimer Fliehburg, wo wir schon leicht ermattet ins Gras sanken.

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Noch ein aufmerksamer Zuhörer

Die Fliehburg heißt Fliehburg, weil sie durch einen künstlichen Graben, der die beiden Wasserflächen verband, vom Land abgetrennt wurde. Unklar ist, wer diesen Graben grub.
Ein zweites Denkmal habe ich an diesem Tag leider nicht mehr geschafft.
Ich fand das Gelände vor allem biologisch interessant. Muss ich noch mal alleine hin, wenn nicht so viele Leute da im Bild rumstehen.